Empathie, Mitgefühl und Sympathie alles dasselbe, odernicht?

Wie definiert man Empathie?

Zum Thema Empathie gibt es keine allgemeingültige Definition. Bei den tieferen Recherchen ist es schon möglich, den Überblick zu verlieren.

Deshalb schauen wir uns das Wort selbst erstmal an. Es leitet sich aus dem Altgriechischen ab, „em-“ steht dabei für „in, hinein“ und „pathos“ kann man mit Gemütsstimmung oder Seelenbewegung übersetzten.

Empathie ist also die Fähigkeit sich in die Gedanken- und Gefühlswelt einer anderen Person hineinzuversetzen. Dabei kann man, wenn man möchte, noch weitere Unterscheidungen treffen: Die
kognitive Empathie bedeutet zu verstehen, wie eine andere Person sich fühlt, während man bei der emotionalen Empathie fühlt, wie es einer anderen Person geht.

Sind Sympathie und Empathie das Gleiche?

Ein wunderschönes Video, was Empathie ausmacht und vom Unterschied zwischen Empathie und Sympathie berichtet, ist dieser Ausschnitt aus dem Video von Brene Brown, das leider nur auf Englisch verfügbar ist. Du findest es HIER

Die Bedeutung von Empathie

Über dieses Thema war ich im Gespräch im Pausenknüller mit Heidi Kaufmann, Coach für neue Autorität.

Um Konflikte nachhaltig zu lösen, ist Empathie die Grundlage. Die reine Sachebene reicht oft nicht aus, da es ohne Empathie keine Verbindung zwischen den Menschen gibt.

Empathie in der Gewaltfreien Kommunikation

Empathie bedeutet in der Gewaltfreien Kommunikation Zusammenhang eine
Herzensverbindung und die Bereitschaft, sich für sich selbst und die andere Person so zu öffnen, wie wir gerade da sind. Dabei geht es auch darum, das zu sehen und zu hören, was gerade nicht ausgesprochen ist und die Gefühle und Bedürfnisse hinter Handlungen und Äußerungen zu sehen.

Es ist ein Prozess Empathie zu lernen, da wir alle anders sozialisiert sind. Gerade in der Alltagssprache geht es oft um Wertungen, Urteile, Lob, Strafe und Interpretationen.

Den Weg der Empathie zu gehen, dauert eine Weile. Oft geht der Weg über die sogenannte kognitive Empathie, das heißt man überlegt mit dem Kopf und lernt die Bedürfnis- und Gefühlsworte, wie Vokabeln und erst im Anschluss geht es ins Gefühl über und wird fließend und authentisch.

Wie können Kinder Empathie nachhaltig erlernen?

Eine nachhaltige Veränderung und ein Erlernen geht hier über einen Weg: indem die Erwachsenen um die Kinder herum empathisch sind. Und dies zu praktizieren ist ein Prozess, der Selbstreflexion, ein Umlernen des Denkens, des Sprechens und überhaupt zu leben erfordert. Und das geht nicht über Nacht. Dieser Lernprozess kann dauern und braucht Geduld.

Der Weg der Empathie

Selbst Menschen, die darin geübt sind empathisch zu sein, kann es passieren, dass sie ins Werten und Urteilen abrutschen.

Wenn in uns heftige Gefühle ausgelöst werden, wenn wir in Angst, Panik oder Schock sind, dann fallen wir aus der Empathie häufig heraus.

In so einem Moment von sich selbst abzuverlangen trotzdem empathisch zu sein, ist schon fast wieder Gewalt. Hier gilt zu wissen, dass das passieren kann und sich selbst Fehler zuzugestehen. Also
Mitgefühl fängt bei einem selbst an und hier gibt es eine ganz konkrete Übung, wie Selbstempathie praktiziert werden kann.

In 8 Schritten zur Selbstempathie

Wie kann ich mehr Mitgefühl für mich selbst haben?

Heidi Kaufmann stellt anhand einer selbst erlebten Situation eine Übung zur Selbstempathie vor. Am Besten ist es, diese Übung schriftlich zu machen.

Erst einmal geht es darum den
Auslöser zu benennen. In ihrem Fall war das ein
Antigewalttraining mit ehemaligem Straftäter und der Aussage von einem Mann: „Von Ihnen als Frau lasse ich mir nichts sagen.“

Schritt 1: Urteile und Bewertungen notieren

Zum Beispiel: Arschloch, was fällt Dir ein usw.

Auch
Bewertungen einem selbst gegenüber: da warst du mal wieder sprachlos, das nächste Mal musst Du schlagfertiger sein.

Schritt 2: Was ist genau passiert? Die reinen Fakten aufschreiben. Was hätte eine Kamera gefilmt?

Zum Beispiel: Die Aussage: „Von Ihnen als Frau lasse ich mir nichts sagen.“

Schritt 3: Nochmal prüfen, ob noch Bewertungen und Urteile in mir sind? Oft beginnt es mit Urteilen dem anderen Gegenüber, dann geht es in Urteile sich selbst gegenüber weiter und dahinter verbergen sich oft tieferliegende Glaubenssätze.

Zum Beispiel: Das war schwach, du hast versagt, du musst stark sein

Schritt 4: Welche Gefühle kommen dabei hoch? Diese können sich mit Abstand zu der Situation auch verändern.

Zum Beispiel: Fassungslosigkeit, Angst, Trauer

Schritt 5: Was hätte ich mir in diesem Moment gewünscht?

Zum Beispiel: eine Paustaste drücken und die Situation von vorne abspielen, im Erdboden versinken oder jemanden auf den Mond schießen

Schritt 6: Bedürfnisse, die in diesem Moment nicht erfüllt waren, notieren. Was hätte ich gebraucht?

Zum Beispiel: Sicherheit, Schutz, Unterstützung, Vertrauen in mich und meine
Kompetenz

Schritt 7: Welche Bedürfnisse würden sich erfüllen, wenn alle Bedürfnisse aus 6. erfüllt wären?

Zum Beispiel: Vertrauen, Friede

Schritt 8: Welche Bedürfnisse würden sich erfüllen, wenn die Bedürfnisse aus 7. erfüllt wären?

Zum Beispiel: Selbstvertrauen und Sicherheit.

Oft handelt es sich hierbei um Bedürfnisse, die häufig nicht erfüllt werden.

Am Ende der Übung erscheint die Situation klarer und Sie können empathisch mit sich selbst sein, denn Sie verbinden sich mit dem was bei Ihnen gerade ist. Jetzt ist es Ihre Verantwortung zu fragen: „Was kann ich konkret tun, um diese Bedürfnisse zu erfüllen?
 
In Heidi Kaufmanns Fall war das ein Gespräch mit einem Kollegen, wie sie das nächste Mal mit solchen Situationen umgehen.

Stolpersteine der Empathie

Gibt es auch Stolpersteine? Ein dickes Dankeschön an Heidi, dass sie ganz ehrlich von einem Stolperstein in ihrem Leben berichtet hat.

Sie wollte voller Enthusiasmus empathisch sein und es hat trotzdem nicht funktioniert. Es ging um einen Straftäter, der immer wieder gewaltvolle Ausbrüche in der Werkstatt hatte und dabei war, seine Arbeitsstelle zu verlieren.

Sie wurde damals gebeten ein Gespräch mit ihm zu führen, ohne, dass die beiden sich kannten. Mit der Absicht empathisch zu sein, hat sie seine Gefühle und Bedürfnisse identifiziert und sagte zu ihm: „Sie haben Angst die Ehre der Familie zu verletzten.“ Der Mann antwortete darauf nur: „Ich habe niemals Angst.“

Was war schiefgelaufen?

Zurückblickend erkannte Heidi Kaufmann, dass ihre Aussage in diesem Kontext nicht empathisch war, anhand von drei Punkten:
 

  1. Sie hatten keine Beziehung, die eine solche Selbstoffenbarung zugelassen hätte

  2. Er war nicht in dem Bewusstsein, dass das Problem an ihm liegen könnte.

  3. Es war kein passendes Setting, sie hatten sich gerade erst kennen gelernt und noch keine Basis für ein solch tiefgründiges Gespräch.

Was wäre stattdessen empathisch gewesen?

Es wäre empathisch gewesen den jungen Mann anzunehmen in dem Bewusstsein, dass alle anderen etwas gegen ihn haben und ihn provozieren, anstatt ihn irgendwo hinzulenken, wofür der Zeitpunkt noch gar nicht da war.

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte kann unser Gespräch zum Thema „Empathie, Mitgefühl, Sympathie alles das gleiche, oder?“ hier anschauen:

Empathie, Mitgefühl, Sympathie – alles dasselbe, oder nicht?

https://www.youtube.com/watch?v=nbcn6sVdob4