Was für ein Konflikt darf es sein? Konfliktarten unter der Lupe

Konfliktarten in der Übersicht

Sie haben ein Konflikt und wissen nicht so recht, was Sie jetzt tun sollen? Finden Sie zuerst heraus, womit Sie es genau zu tun haben!  Ein Auto repariert man anders als ein Motorrad und Apfelkuchen wird anders gebacken als Brot.

 

Das Gleiche gilt für Konflikte. Umso besser Sie wissen, welchen Konflikt Sie lösen wollen, umso höher die Erfolgsaussichten. Also, los geht’s!

Kalt, wärmer, heiß…welche Temperatur hat der Konflikt?

Was kommt Ihnen als erstes in den Kopf, wenn Sie an Konflikt denken? Laute streitende Menschen, die sich gegenseitig Vorwürfe und vielleicht sogar Beleidigungen an den Kopf werfen? Das wäre dann nach Friedrich Glasl ein heißer Konflikt.

 

Doch auch Konflikte, die nicht angegangen werden, die im Untergrund schwelen sind Konflikte, allerdings sogenannte kalte Konflikte

 

Also merken Sie sich, dass es bei einem Konflikt nicht immer heiß hergehen muss, nicht selten sind es gerade die unausgesprochenen Dinge, die unser Zusammenleben so schwierig machen und es im Team brodeln lassen.

Klein, größer, am größten… Welche Größte hat der Konflikt?

Wenn wir schon bei dem „Konfliktmeister“ Friedrich Glasl sind - er unterscheidet auch drei Konflikttypen: Ein Konflikt in einer Familie ist etwas anderes als ein Konflikt zwischen Regierungen und auch die entsprechende Konfliktinterventionen sehen anders aus.

 

Deshalb differenziert er zwischen Mikrokonflikt, also  - face to face -  zum Beispiel ein Konflikt zwischen Ehepartnern.

 

Mesokonflikt, der auf der Ebene von Unternehmen und Organisationen angesiedelt ist und einem Makrokonflikt, der Konzerne, Städte oder Länder betrifft.

 

Warum ist das wichtig? Weil Sie bei der Konfliktlösung andere Kompetenzen brauchen.

 

Während auf der Mikroebene psychologische Interventionen ihren Schwerpunkt haben, brauchen sie auf der Mesoebene auch einen Überblick über Organisationsstrukturen und auf der Makroebene ggf. Kenntnisse über verschiedene kulturelle Begebenheiten, Wirtschaft oder Religion usw.

Wir fangen einfach mal bei uns selbst an – der intrapersonelle Konflikt

Bei dem Wort Konflikt denken wir oft an mehrere Parteien oder Personen, die einen Streit miteinander austragen. Das ist in der Regel auch richtig. Doch auch ein Konflikt, den eine Person in sich selbst trägt, ein sogenannter intrapersoneller Konflikt, kann das Zusammenleben beeinflussen.

Der Konflikt in uns - ein Beispiel

Wie könnte so ein intrapersoneller Konflikt nun aussehen?

 

Zum Beispiel kann eine Mitarbeiterin einen inneren Konflikt haben, ob sie sich innerhalb des Unternehmens auf eine neue Stelle bewirbt oder das Unternehmen verlässt, da sie nicht weiß, ob sie sich hier wirklich weiterentwickeln kann. Da sie sich unsicher ist, kommt ist in Ihrem bisherigen Team zu Konflikten, was die Zukunftsplanung betrifft.

 

Je klarer wir wissen, was wir wollen, umso besser können wir unsere Bedürfnisse nach Außen kommunizieren. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, das intrapersonelle Konflikte interpersonelle Konflikte, also Konflikte zwischen zwei und mehreren Personen, durchaus beeinflussen.

Eine Rarität: der Sachkonflikt

„Nun bleib mal sachlich“ oder „wir diskutieren hier nur auf der Sachebene weiter“. Wer hat das nicht schon mal gehört, oder aber sogar selbst gesagt?

 

Wird die Sachebene nicht verlassen und rein inhaltlich diskutiert, spricht man von einem Sachkonflikt. Also wenn es, um die Umsetzung eines Projektes geht oder den Umgang mit einem Klienten und Argumente nur im Bezug auf diese Sache ausgetauscht werden.

 

In der Regel ist das allerdings eher eine angeregte Diskussion als ein heißer Konflikt.

 

Sachkonflikte können ein Team zu innovativem Verhalten antreiben, da verschiedene Standpunkte berücksichtigt werden und die beste Strategie gewählt werden kann. 

 

Ein Sachkonflikt ist also eine gute Sache!

 

Doch wie oft erleben Sie einen solche reinen Sachkonflikt? Ja – ein reiner Sachkonflikt ist eher selten, meist spielt die Beziehungsebene eine riesige Rolle in Konflikten.  

 

Und Vorsicht! Manchmal tarnt sich ein Beziehungskonflikt als reiner Sachkonflikt.

 

Kritisieren Sie ihre Kollegin in der Teamsitzung, weil Sie in der Sache eine andere Meinung haben oder weil Sie sich nicht sympathisch sind? Geht es hier wirklich darum, wie sie gestern etwas gemacht hat – oder eigentlich um etwas ganz anderes?

 

Um das herauszufinden können Sie sich folgende Frage stellen: „Hätten Sie denselben Konflikt in der aktuellen Situation auch mit einer anderen Person“? Wenn ja, dann geht es tatsächlich um den Inhalt, wenn nicht, dann spielt sich der Konflikt auf der Beziehungsebene ab.

Der Verteilungskonflikt – geht’s hier gerecht zu?

Diese Konfliktart basiert oft auf Neid oder ungerecht empfundenen Entscheidungen.

 

Person A bekommt eine Gehaltserhöhung und Person B nicht. Hier geht es um eine gerecht empfundene Verteilung von Macht, Ressourcen, Aufgaben und so weiter.

 

Dieser Konflikt kann möglicherweise schnell gelöst werden oder eskalieren, sprechen Sie ihn deshalb frühzeitig an.

Der Wertekonflikt – was ist Ihnen wichtig?

Ein Wertekonflikt entsteht, wenn zwei Werte nicht gleichzeitig realisierbar sind.

 

Das könnte so etwas sein wie: eine Kostenreduktion und gleichzeitig eine Verbesserung des Tarifvertrags, also die Interessen von Arbeitgeberverbänden prallen mit den Interessen von Gewerkschaften aufeinander.

 

Oder die eine Partei möchte mehr für den Klimaschutz tun, die andere Partei möchte lieber Kosten sparen.

 

Einer Pädagogin ist es wichtig, bedürfnisorientiert zu erziehen, eine andere sagt „das war doch früher ganz anders.“

 

Schaffen Sie es sich zu einigen, ohne Ihre eigenen Interessen und Werte zu verraten? Ein Wertekonflikt setzt viel Kommunikationsvermögen, Toleranz und vor allen Dingen aber die Bereitschaft voraus, miteinander ins Gespräch zu gehen.

Der  Rollenkonflikt -werden Sie Ihren Anforderungen gerecht?

Diesen Konflikt gibt es gleich in zwei Ausführungen:

 

Ein Rollenkonflikt kann innerhalb einer Person auftreten, als sogenannter Interrollen-Konflikte. Ein Beispiel für einen Interrollenkonflikt wäre, wenn eine Mitarbeiterin in der Rolle als Mutter für ihre Kinder da sein möchte und gleichzeitig als gute Mitarbeiterin für ihr Unternehmen einen wichtigen Termin wahrnehmen muss.

 

Die zweite Version des Rollenkonflikts ist der Intrarollenkonflikt. Also wenn verschiedene Erwartungen an eine eingenommene Rolle kollidieren. Zum Beispiel wenn die Mitarbeiterin auf die Interessen ihrer Klient*innen eingehen möchte und dies mit den Regeln des Unternehmens kollidiert. Dieses kann natürlich auch ein Wertekonflikt sein.

Wir kommen zum Ziel - Konflikt

Das vorangegangene Beispiel ist schon sehr nahe an einem Zielkonflikt, welcher sich dadurch auszeichnet, dass zwei Parteien oder Personen auf ein unterschiedliches Ziel hinarbeiten.

 

Dieses muss im Alltag jedoch erst einmal deutlich werden und miteinander besprochen werden

Welche Konfliktarten finden Sie im sozialen Bereich?

Und? Welche Konfliktarten häufen sich bei Ihnen?

 

Worüber wird bei Ihnen heiß diskutiert oder vielleicht auch schon nicht mehr?

 

Gerade im sozialen Bereich, wo Menschen eng zusammenarbeiten, können Sie viele Konfliktarten antreffen und nicht immer lassen diese sich klar trennen. Hinter einem Sachkonflikt können sich viele andere Konfliktarten verbergen, die erst mit etwas Detektivarbeit zum Vorschein kommen.

 

Das Wissen über die Konfliktarten kann Klarheit und Struktur bringen und wenn Sie gar nicht mehr weiterwissen, bitten Sie um Hilfe bei einer Mediatorin oder Konfliktcoach oder stärken Sie ihre eigene Kompetenz und werden Sie Konflikttrainerin.

 

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