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Gewalt an Grundschulen und im Hort

Aktualisiert: 11. Dez. 2023

Wie gehe ich mit Gewalt bei Kindern und Jugendlichen um?

Die Hemmschwelle scheint zu sinken und - verbale und körperliche - Gewalt zuzunehmen. Gleichzeitig steigt damit eine Überforderung von Lehrer*innen und pädagogischen Fachkräften im Hort.


Doch was kannst du wirklich tun?

Und was hilft nachhaltig?


Wir alle müssen am Ball bleiben, präsent sein und direkt konfrontieren, wenn es sein muss.


Das erfährst du im Artikel:


Martina Kohrn Gewalt an Schulen und im Hort

Gewalt als tägliches Thema im Beruf


Was erlebt ihr eigentlich momentan, was das Thema Gewalt und Mobbing an Schulen angeht?


Darüber habe ich mit Kevin Fröhlich von Komma Klar Pädagogik gesprochen.

Unser Gespräch findest du hier:


In diesem Artikel findest du ein paar Auszüge aus spannenden Erfahrungen, praktischen Tipps und Hilfestellungen für Fachkräfte in Kita, Jugendhilfe, Schule und Hort.


Was ist Gewalt und wo fängt Gewalt an?

Gewalt ist dann, wenn die Grenze des anderen überschritten wird.


  • Aber wo fängt diese Grenze des anderen an?

  • Und wo liegt eigentlich meine?

Das ist genau das Problem - diese ist bei jedem anders und somit, gerade für Kinder, schwer zu greifen. Der eine sagt, eine Ohrfeige sei keine Gewalt. Wenn man das verdient hat und was falsch gemacht hat, dann sei das völlig legitim. Und jemand anderes sagt an dieser Stelle, eine Ohrfeige gehe überhaupt gar nicht.


Gewalt ist auch ein rein emotionale Verletzung, wie eine Beleidigung.

Diese Sensibilisierung für die unterschiedlichen Definitionen herzustellen, ist für Komma klar ein sehr wichtiges Thema. 



Bei ihren sozialen Kompetenztrainings wird es bereit bei Fachkräften und Lehrer*Innen deutlich wie unterschiedlich die Ansichten sind.


Ist ein „Du Arsch!“ schon Gewalt?

Und habe ich selbst schon Gewalt angewendet?


Also es sind nicht nur Kinder und Jugendliche - es fängt mit den verschiedenen Bewertungen bei den Erwachsenen an. Je nachdem, wie ich aufgewachsen bin oder in was für sozialen Gefügen ich unterwegs war.


Und das ist der springende Punkt - wenn bei den kleinsten gewalttätigen Ansätzen nicht gehandelt wird, denkt das Kind es ist ein geduldetes Verhalten. Das ist aber im Alltag natürlich schwer umzusetzen, denn hier zeigt sich besonders an Brennpunkten ein Fass ohne Boden, denn wir können unmöglich auf alles reagieren.


Eine gefühlte Ohnmacht bei den Fachkräften


Zeiten geprägt von Corona-Pandemie und starkem Fachkräftemangel machen es den Einrichtungen natürlich besonders schwer und führen zu einem Gefühl von Überforderung und Ohnmacht. Genau deshalb ist es so wichtig, am Anfang in Sozialkompetenztrainings, das Wort "Gewalt" gemeinsam zu definieren.


Oft scheitert es schon an den Grundbedürfnissen.


Die Erfahrungen in der Arbeit mit den Kindern nach der Pandemie variieren stark. Einige klagen über Lautstärke und Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Klassen, in denen Kinder mit verschiedenen Förderbedarfen aufeinandertreffen, erschweren die Unterrichtsgestaltung und das soziale Miteinander. Einige Schulen haben Ansätze, wie beispielsweise ein späterer Schulstart, um Grundbedürfnisse wie Frühstück zu erfüllen.


Aber auch andere Bedürfnisse sind teilweise weder definiert noch gegeben. Dies kann ebenfalls zu gewalttätigen Handlungen führen. In solchen Fällen geht es gar nicht ums Lernen im Sinne von Unterricht, sondern erstmal ums miteinander Lernen, also Lernen durch Erfahrungen.


Lernen durch konfrontative Pädagogik


Die konfrontative Pädagogik unterstützt dich für eine gute Haltung und um wirklich das Problem situativ anzupacken. Hierbei gilt es die Regeln und Rahmenbedingungen zu definieren und die Kinder miteinzubeziehen. Dann kannst du dich auch leichter darauf berufen.


Die konfrontative Pädagogik beinhaltet außerdem die Beziehungsarbeit. Kinder und Jugendliche wollen gesehen werden und dieses Gefühl müssen wir ihnen vermitteln, auch wenn es Regeln gibt. Aber genau hier lernen die Kinder, dass ihr Handeln Konsequenzen hat. Das ist das Lernen durch Erfahrung.


Durch eine gute Präsenz bist du viel näher an den Kindern dran. Und wenn dann alle Pädagog*Innen eine Sprache sprechen, bekommt das Kind eine Sicherheit, kann darauf vertrauen und wird sich vermutlich entspannen.


Hinter jedem Konflikt steht ein unerfülltes Bedürfnis


Daher ist diese Bedürfnisorientierung genau das, was wichtig ist. Hier darf ein totales Umdenken stattfinden. Es geht bei Bedürfnisorientierung nicht um Verweichlichung und darum die Kinder alles entscheiden zu lassen.

Es geht eben genau darum, zu zeigen, dass ich als Gegenüber gesehen und verstanden habe, aber nicht unbedingt einverstanden bin. Und dann können wir gemeinsam eine Lösung finden und auch diese Bedürfnisse erfüllt bekommen, sodass an dieser Stelle kein erneuter Konflikt entsteht.


Zusammengefasst geht es also darum den Menschen und seine Bedürfnisse zu sehen, präsent zu sein, anzunehmen und Grenzen aufzuzeigen. Das dürften wir all in unseren Köpfen für die pädagogische Arbeit etablieren.


Voraussetzung für eine gute Arbeit mit den Bedürfnissen des anderen, ist aber das Prinzip der neuen Autorität. Zuerst muss ich meine eigenen Bedürfnisse gut kennen, für mich sorgen und wissen, was meine Themen sind.


Diese Selbstreflexion und Selbstregulation sind die Basis, um präsent zu sein und Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.


Was kann ich als pädagogische Fachkraft konkret tun?

  1. Präsenz haben und spürbar zu sein. Hieraus entsteht dann auch eine gute Beziehungsarbeit. Und damit schließt sich der Kreis hin zu soziale Kompetenzen stärken. Bevor ich Dinge beibringen kann, müssen erst einmal die Standards gelernt werden, denn die sind einfach teilweise nicht da.

  2. Gemeinsame Haltung. Die Kinder kommen von zu Hause, erleben dort eine ganz andere Haltung von Pädagogik, von Erziehung, sind dann aber hauptsächlich in den Schulen. In Ganzstagsschulen oder in der Betreuung sind sie damit länger in der Schule als Zuhause und so quasi in pädagogischer Führung von anderen Erwachsenen als den eigenen Eltern. Das geht aber auch nur, wenn man gemeinsam im Team eine Richtung fährt und eine Pädagogik lebt. Da finde ich, diese Zeit zu investieren, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln und gemeinsame Grenzenmöglichkeiten für sich als Team zu überlegen. Dazu gehört das ganze Team. Also alle Fachkräfte, die irgendwie mit den Kindern in der Organisation zu tun haben.

Und dann erarbeitet man folgende Fragen
:

  • Was können und wollen wir denn alle leisten?

  • An welcher Stelle hört es auf?

  • Was kann einer nicht mehr mittragen?

  • Was sind unsere Regeln?

Durch Kriege, durch Corona, durch teilweise auch prekäre Lebenssituationen,

aus denen die Kinder kommen, ist das Gefühl von Sicherheit durch eine Klarheit

der pädagogischen Fachkräfte ein wichtiger Punkt. Das wird unterstützt durch

eine gute Beziehung und die Präsenz. 




Was ist mein Einflussbereich als Fachkraft? 




Das Gegenteil liegt im Sich-über-alles-Beschweren und alle Dinge zu fokussieren, die nicht gehen. Die schwierigen Eltern, mit denen man nicht arbeiten kann, die ja noch nicht mal bereit sind, überhaupt vernünftig zu kommunizieren. Diese ganzen Themen oder die Kinder, die alle eigentlich gar nicht richtig sind und eigentlich ganz woanders sein müssten. Der strukturelle Rahmen. Alles ist schlecht und ich kann nicht mehr und ich bin am Ende.

Wir können uns in diesem Beschwermodus sehr verlieren.


Dabei sollte unser Fokus sein, was kann ich denn verändern? Wo habe ich Einfluss?


Fazit und relevante Themenbereiche im Umgang mit Gewalt


1. Die konfrontativen Pädagogik. Sie unterstützt dich dabei Grenzen zu setzen, was gerade beim Thema Gewalt elementar ist. Mit der Methode der konfrontativen Pädagogik kannst du dich selbst wieder handlungsfähiger machen. Dazu empfiehlt uns Kevin Fröhlich alles vom Institut für konfrontative Pädagogik an dem Rainer Gall und Jens Weidner mitentwickelt haben. Es gibt hier tolle Bücher, auch z.B. speziell für konfrontative Pädagogik in der Schule.


2. Die neue Autorität. Sie ist eine Haltung oder eine Pädagogik, die sich gut übersetzen lässt in Schulsystemen, aber auch in Jugendhilfesystemen. Gerade auch der Begriff der Präsenz und was damit zusammenhängt, sind sehr wichtig.


3. Genauso wie die gewaltlose Kommunikation. Wenn wir wirklich etwas verändern, Kindern Sicherheit mitgeben und Gewalt reduzieren wollen, dann brauchen wir dieses Verständnis für Beziehungen und für Bedürfnisse. Wir brauchen aber gleichzeitig Handwerkszeug, um Grenzen zu setzen, soziales Miteinander beizubringen, zu lernen über Übungen.


Am besten kombinieren wir aus den verschiedenen pädagogischen Ansätzen die besten Elemente, um im herausfordernden Bildungsumfeld handlungsfähig zu bleiben.


 
Martina Kohrn Konflikttrainerin

Hi, ich bin Martina Kohrn - Konflikt- und Resilienztrainerin für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.


☑ Sei sicherer in Konflikt- und Krisensituationen.

☑ Gestalte ein starkes und humorvolles Miteinander im Team.

☑ Sichere Dir praxisnahes Handwerkszeug für mehr Ruhe und Gelassenheit.





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1 commento


Christa R.
Christa R.
10 dic 2023

Hallo Martina, schau mal bitte, da ist ein Schreibfehler. Du meintest sicher nicht "gewaltvolle" Kommunikation, sondern "gewaltlose"? Sicher wissen die meisten Leute, was Du eigentlich meinst, aber es irritiert doch ein bißchen... 😍

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