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Die Stärkung der Präsenz - Neue Autorität

Deine Präsenz als Schlüssel zur erfolgreichen pädagogischen Arbeit - Neue Autorität


Schließ doch kurz mal die Augen und stell dir vor, dass jemand, der sehr wohlwollend und zuverlässig ist, neben dir steht.

Beobachte dann deinen Körper:

  • Ist der Unterkiefer entspannt?

  • Wie fühlt sich der Bauch an?

  • Welche Gefühle durchströmen den Körper?

Um diese Achtsamkeit, sich selbst zu spüren und um den Entschluss, wirklich präsent zu sein und eine beständige Beziehung anzubieten, soll es heute gehen.


Die Stärkung der Präsenz, genauso wie die Wahrnehmung des Präsenzverlustes sind unser Startpunkt und stellen unsere Handlungsfähigkeit her.


Das erfährst du im Artikel:


Martina Kohrn Stärkung der Präsenz

Der Einfluss der Präsenz auf das pädagogische Handeln


Die eigene Präsenz ist die Grundlage der Neuen Autorität in der pädagogischen Arbeit.


"Wie kann ich durch eine Änderung meiner Präsenz und meines Verhaltens Einfluss auf das Geschehen haben?"


Das ist der Grundgedanke hinter der Präsenz.


In der Neuen Autorität steht die Präsenz im Mittelpunkt. Dadurch bist du als Fachkraft handlungsfähig und spürst eine Art Wirksamkeit, wenn deine Präsenz stark ist.

Das Gefühl der Ohnmacht und der Handlungsunsicherheit entsteht nämlich dann, wenn einer dieser Präsenz-Faktoren geschwächt ist.


Die professionellen Grundsätze der Präsenz


  • "Ich bin da.“

  • “Ich bleibe da – auch wenn es herausfordernd wird.“

  • „Ich bleibe nicht allein."

Diese Grundsätze der Präsenz bedeuten, dass wir erstmal die einzelnen Faktoren der Präsenz kennen müssen. Es geht darum zu erfahren, an welcher Stelle eine Schwächung der Präsenz stattgefunden hat.


Martin Lemme und Bruno Körner haben dazu einen Test konzipiert, um die eigenen Präsenzfaktoren zu reflektieren und ganz gezielt zu stärken.

In ihrem Modell werden sechs verschiedene Präsenzdimensionen genannt:


1. Die physische Präsenzdimension


Eine körperliche und geistige Anwesenheit signalisiert die Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Und unser Ziel ist es, auch in herausfordernden Situationen da zubleiben und uns nicht abzuwenden. Die Kontrolle liegt hier nicht im Fokus, sondern im Wiederaufnehmen eines besseren Kontakts zu den Kindern.


Stelle dir dazu diese Reflexionsfragen:

  • Woran erkenne ich meine körperliche Energie?

  • Wie wirkt sich meine Anwesenheit auf das Verhalten der Kinder aus?

  • Gehe ich mit entschiedener körperlicher Anwesenheit in kritische Situationen?

Kennst du die Momente, in denen du morgens den Bus verpasst hast oder im Stau standest und gehetzt die Tür zur Einrichtung geöffnet hast? Du bist gedanklich noch beim letzten Autofahrer, der dir den Weg abgeschnitten hat.

Mit der Haltung der Neuen Autorität kannst du in diesem oder ähnlichen Momenten auf dich und deinen Körper bewusst achten. Nimm dir morgens bewusst Zeit und trinke einen Tee oder was immer dir gut tut. Atme durch und sammle dich.

Ich selbst habe in den Zeiten, in denen ich in der Jugendhilfe gearbeitet habe, die Mittagspause genau dafür genutzt. Nachdem die Kinder aus der Schule kamen, sich viel zu erzählen hatten kam die „Mittagspause“ für alle - Ich habe einen Tee gekocht und mich gesammelt, manchmal auch mit einem Kollegen gesprochen. Was mir gerade gut tat. Danach konnte der meist stressige, hektische und ereignisreiche Nachmittag starten.


Achte auf dein Bauchgefühl. In einem Seminar sagte mal ein Teilnehmer: „manchmal habe ich so ein pädagogisches Bauchgefühl.“ Tatsächlich kann das viel aussagekräftiger sein als dein Kopf.


Frage dich:

  • Was sagt dein Körper über dich und deine Absicht aus?

  • Ist da gerade Angst und Sorge oder aber drückt der ganzer Körper eine offene Neugierde den Kindern gegenüber aus?

  • Welchen Gesichtsausdruck zeigst du, wenn ein Kind mit dir spricht?

Nutze für die Umsetzung diese Faktoren:

  • Zeit

  • Körpergefühl

  • Achtsamkeit

  • Wahrnehmung


2. Die pragmatische Präsenzdimension


Dein Erleben deiner eigenen Handlungskompetenz ermöglicht dir ein größeres Selbstwirksamkeitserleben. Mach dir bewusst: Selbst in kritischen Situationen müssen nicht sofort endgültige Entscheidungen getroffen werden.

Deine Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist hier entscheidend.


Stelle dir dazu diese Reflexionsfragen:

  • In welchen Situationen erlebe ich mich handlungsfähig?

  • Was war in meinen Handlungen bisher hilfreich?

  • Vertraue ich meinen Ideen und meiner Intuition?

Lebenslanges Lernen und Neugierde sind Grundvoraussetzungen für pädagogische Fachkräfte. Die pragmatische Präsenz wird sichtbar durch vielfältige Ideen und offenes pädagogisches Handeln. Neue Autorität bedeutet auch, dass du als Fachkraft in kritischen Situationen nicht sofort alles entscheiden musst. Ein angeregter Austausch mit Kollegen kann die Handlungsmöglichkeiten erweitern.


3. Die internale Präsenzdimension


Die Erlebens von Selbstkontrolle im Umgang mit eigenen Emotionen ist hier entscheidend. Selbstkontrolle bedeutet, dass das Handeln nicht von inneren emotionalen Zuständen kontrolliert wird, sondern von reflektierten Überzeugungen und Verhalten.


Stelle dir dazu diese Reflexionsfragen:

  • Welche Situationen bringen mich aus dem Gleichgewicht?

  • Wie hoch schätze ich meine Fähigkeiten ein, mich selbst zu steuern?

  • Kann ich kritische Situationen aus einer „Adlerperspektive“ betrachten?


Es ist wichtig, Gefühle in der „Ich bin…“-Form zu formulieren und sogenannte pseudo-Gefühle zu vermeiden. In Situationen, in denen ungeduldige Reaktionen drohen, ist es hilfreich, sich zu verlangsamen und die eigene Gefühlslage bewusst wahrzunehmen.


4. Die emotional-moralische Präsenzdimension


Die Wahrnehmung und Übereinstimmung eigener Handlungsüberzeugungen spielen eine große Rolle. Diese Kongruenz zwischen Handeln und eigener Haltung ist sichtbar für alle Fachkräfte und die Umgebung. Es ist wichtig, auch im Umgang mit eigenen Fehlern die Selbstkontrolle zu wahren.


Stelle dir dazu diese Reflexionsfragen:

  • Bin ich mit dem, was ich mache, einverstanden?

  • Entspricht mein Verhalten meinen Vorstellungen?

  • Kann ich mir Fehler erlauben?

Es wird Situationen geben, in denen dein Entschluss, den Kindern eine Beziehung anzubieten, nicht leicht umgesetzt werden kann. Daher ist es so wichtig, diesen Entschluss dennoch festzuhalten und bei Schwierigkeiten Unterstützung von Kollegen zu suchen.


5. Die intentionale Präsenzdimension


Die Verbindung und der Kontakt zu den Kindern stehen hierbei im Mittelpunkt. Die Absicht, aus der gehandelt wird, ist entscheidend für eure Beziehungsgestaltung. Eine bewusste Auseinandersetzung mit Mit- und Selbstbestimmung ist in diesem Zusammenhang wichtig.


Stelle dir dazu diese Reflexionsfragen:

  • Wie sehe ich meine Aufgabe als verantwortliche Person für die Kinder?

  • Weiß ich genau, was die einzelnen Kinder benötigen?

  • Gestalte ich ausreichend Zeit-Räume für den gleichwürdigen Austausch mit dem Kind?

Die intentionale Präsenz wird besonders dann sichtbar, wenn Kinder oder Erwachsene ablehnend reagieren. Achte darauf, dass dein Gegenüber erkennt, dass eine feste Beziehung oder ein echtes Interesse besteht. Du als Fachkraft trägst hier die Verantwortung für die Beziehungsgestaltung.


6. Die systemische Präsenzdimension


Hierbei ist die Wahrnehmung und Nutzung von Unterstützung und Vernetzung wichtig, besonders in kritischen Situationen. Eine unterstützende Kultur innerhalb der Einrichtung ist entscheidend, damit du dich nicht alleine fühlst.


Stelle dir dazu diese Reflexionsfragen:

  • Auf welches Unterstützersystem kann ich zurückgreifen?

  • Wie läuft das ab?

  • Kann ich mir vorstellen, mit Kollegen über kritische Situationen zu sprechen?

Der Aufbau der systemischen Präsenzdimension benötigt Zeit und die innere Zustimmung aller Beteiligten. Der Austausch mit Kollegen und die Einbindung von Eltern in Absprachen sind hier die Basis. Eine gut vernetzte Kultur ermöglicht ein gemeinsames Auftreten und unterstützendes Netzwerken.


Fazit: Die Stärkung der Präsenz in der pädagogischen Arbeit


Um ein besseres Gefühl für die einzelnen Säulen der Präsenz zu erhalten, kannst du Reflexionsfragen und einen Präsenzfragebogen einsetzen.


Die Stärkung der Präsenzfaktoren ermöglicht eine effektivere pädagogische Arbeit und trägt zur Entwicklung einer starken Bindung zu den Kindern und Jugendlichen bei.

Und das ist doch unser größtes Ziel.


 
Martina Kohrn Konflikttrainerin

Hi, ich bin Martina Kohrn - Konflikt- und Resilienztrainerin für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.


☑ Sei sicherer in Konflikt- und Krisensituationen.

☑ Gestalte ein starkes und humorvolles Miteinander im Team.

☑ Sichere Dir praxisnahes Handwerkszeug für mehr Ruhe und Gelassenheit.





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