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Neue Autorität - oder was mache ich mit einem aggressiven Kind?

Aktualisiert: 27. Nov. 2023

Das Konzept der Neuen Autorität: Worum geht es?


Was Kind in der Kita sich nicht die Hände waschen möchte?

Wenn der Jugendliche zu spät nach Hause kommt oder wenn er den Fernseher demoliert?

Wenn Schüler*innen den Unterricht stören?

Oder der Lehrer sich im Unterricht gestört fühlt?

Wie kann ich handeln, dass es nicht zu einem Machtgefälle führt?


Mit der alten Autorität komme ich da nicht weiter. Hier muss etwas Neues her!


Das erfährst du im Artikel:

Die Geschichte der neuen Autorität

Präsenz- und Beziehungsgestaltung

Drei wichtige Säulen des Konzepts „Neue Autorität“

Was sind Alternativen zu Strafen?

Was steckt hinter dem systemischen Ansatz?


Martina Kohrn Neue Autorität Jain

Als das Altbekannte nicht mehr weiterhalf


Egal, ob Kita, Jugendhilfe oder in der Schule: alle Fachkräfte kennen bestimmt Situationen, in denen sie denken: so komme ich nicht weiter. Oder?


Was bedeutet Neue Autorität?


In der neuen Autorität geht es darum, neue Lösungen in Konflikten zu finden und die Eltern und Fachkräfte zu stärken. Es geht darum, die Beziehungen vertiefen und nicht durch hierarchische Machtgefälle zu zerstören.

Die Neue Autorität vor allem eine Haltung, die eine Präsenz als ganze Person zeigt. Sowohl im pädagogischen Alltag (z.B. in der Erziehungshilfe) wie auch bei der psychiatrischen Arbeit können bestimmte Verhaltensweisen nicht akzeptiert werden. Die Haltung der neuen Autorität ist, dass wir trotzdem verbindlich in Beziehung bleiben.


Hier findest du das Gespräch mit Kerstin Kurzisum und Martin Stolty.


Die Geschichte der neuen Autorität


Die neue Autorität versteht sich als Antwort auf einen historischen Prozess:

In den 50er und 60er Jahren war das Motto: „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, musst du tun, was wir sagen!“ eine streng hierarchische Struktur.

Als Antwort auf die alte Pädagogik ist der Laissez-faire-Stil entstanden - die Rebellion darauf.


Die Neue Autorität um den israelischen Psychologen Haim Omer hat eine Möglichkeit gefunden, die sich mehr in der Mitte pendelt.

Die Ideen entstanden bei der Arbeit in hoch-eskalierten Familiensituationen. In dem Moment, in dem wir die Antworten in Konflikten in der Beziehungsarbeit finden, ist es möglich dem Kind zu vermitteln: Das, was ich tue, tue ich, weil du mir wichtig bist!

So ist die neue Autorität Anfang der 2000er Jahre nach Deutschland gekommen und hat nicht nur in Familien, sondern auch Jugendhilfe und Schule Einzug gefunden.



Präsenz- und Beziehungsgestaltung


„Wir erleben immer wieder in der Praxis, dass Eltern Schwierigkeiten haben sich durchzusetzen und bestrafen wollen oder nach Konsequenzen suchen“, berichtet Kerstin Kurzius.

„Aber die Konsequenzen stehen dann oft nicht mehr im Zusammenhang mit dem, was geschehen ist.“

Die neue Autorität biete hier Alternativen an: Die Eltern bleiben die ganze Zeit in Beziehung mit dem Kind, aber es gibt etwas, da sagen wir als Eltern gemeinsam: „Stopp!“

Doch wie sieht das jetzt konkret aus?



Drei wichtige Säulen des Konzepts „Neue Autorität“


Die neue Autorität basiert auf drei wichtige Säulen.

Die erste Säule ist der Aufschub der eigenen Reaktion.


Die erste Säule: Autorität durch Geduld, Beharrlichkeit und Respekt


Es gab eine starke Eskalation? In diesem Moment geht es um Selbststeuerung und darum zu priorisieren, was wirklich wichtig ist. Das, was geschehen ist, muss bearbeitet werden.

Doch erstmal geht es um die eigene Gefühlskontrolle. Das Prinzip: Schmiede das Eisen, wenn es erkaltet ist.

In meinen Seminaren als Konflikttrainerin erlebe ich hier häufig Aha-Momente: „Ach - ich muss ja gar nicht sofort reagieren.“ Das ist vielen Menschen oft nicht klar.


Wieso kann man das aufschieben?


Eine Ermutigung dazu: „Gerade, wenn es um die existentiellste Beziehung überhaupt geht, zwischen Eltern und Kindern, entscheidet sich diese Beziehung nicht in diesem einem Augenblick“.

Und noch ein Gedanken: “ Bei einer schnellen Reaktion, aus der Wut heraus - da kann es viel eher passieren, dass diese schnelle Reaktion unsere Beziehung angreift.“


Die zweite Säule: Beziehungsgestik


Beziehungsgestik bedeutet, wenn ich an einer Stelle einen Konflikt mit meinem Kind führe, dann bleibe ich in Beziehung.

Und ich bin auch bereit dem Kind heute Mittag das Lieblingsessen zu kochen, weil es nichts mit dem Kind als Person zu tun hat, sondern das Verhalten kritisiert wird.


Praktische Ideen zu Beziehungsgesten


Viele Eltern und Pädagog*innen kennen es, wenn sie verärgert sind, dass sie aus dem Kontakt gehen und mal nicht fragen, wie es in der Schule war.

Das Kind soll aber merken, dass der Konflikt nicht mit ihrer Person zu tun hat, sondern nur mit ihrem Verhalten. Deshalb hat der Erwachsenen das Kind vielleicht sogar noch etwas mehr im Blick als sonst.

Eine hilfreiche Metapher ist da ein lautes Orchester: der Alltag ist anstrengend und manchmal hören die Eltern nur Pauken und Trompeten!

Gibt es bei dem Kind noch andere Melodien? Bleibe in Beziehung und höre auch mal auf die leiseren Töne!


Dritte Säule: Soziales Unterstützungssystem


Die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf! Deshalb ist es wichtig zu schauen, wo es in der Verwandtschaft und Bekanntschaft Unterstützung gibt.

Ein Effekt von Deeskalationtraining in Einrichtungen ist es übrigens, dass ein Netzwerk entsteht.

Denn manchmal sind Eltern oder Fachkräfte mit den Nerven am Ende. Da ist es wichtig, dass du in dem Konflikt nicht ganz alleine bist.

Gibt es jemanden, der dem Kind auch mal Zeichen und Botschaften senden könnte? Du bist uns wichtig! Deshalb sind wir an der Seite der Eltern - der Fachkräfte.


Doch auch das Kind braucht Unterstützung. Gibt es jemanden, der als Vertrauter oder Anwalt des Kindes auftritt?

Persönlich finde ich es schön wie die Säulen ineinandergreifen. Denn in Fortbildungen erlebe ich häufig, dass Erzieherinnen den Fokus bei einem aggressiven Kind, nur noch auf dem negativen Verhalten haben und gar nicht mehr ressourcenorientiert schauen können.


Ein Anwalt für das Kind


Hier kann man nach einem Anwalt für das Kind schauen, der auch die positiven Verhaltensweisen wieder hervorhebt, die kleinen Erfolge feiert und die Beziehung stärkt!


Das Geheimnis starker Eltern und Fachkräfte


Die Verantwortung und die Veränderung liegen in erster Linie bei den Erwachsenen.


Es geht darum aus der eigenen Stärke heraus und nicht in einem Machtspiel zwischen Eltern/Fachkraft und Kind zu handeln.


Starke Eltern beschämen ihr Kind nicht bei Fehlverhalten. Es ist in der Säule der Beziehungsgesten, dass in keinem Moment jemand beschämt wird. Jeder muss das Gesicht wahren können.


Wie können Dinge wieder in Ordnung gebracht werden?


Die Erwachsenen sind auch verpflichtet zu helfen, wie ein Versöhnungsprozess gestaltet wird. Das heißt, wir bleiben dabei, wir lassen das Kind, den Jugendlichen nicht allein.



Was sind Alternativen zu Strafen?


Ich kann doch bei den Kindern nicht alles durchgehen lassen?

Hier hilft Beharrlichkeit statt Macht: dem Kind zeigen, dass bestimmtes Verhalten nicht toleriert wird. Am Ball bleiben. Wohl wissend, dass das Kind etwas braucht.

Bis dann das Kind merkt, dass es wichtig ist, eben weil die Eltern/Fachkräfte beharrlich bleiben.

Wenn das Kind zum Beispiel Zeiten nicht einhalten kann, draußen herumrernnt und nicht pünktlich nach Hause kommt:

Anstatt das Kind mit Stubenarrest zu bestrafen, ist es vielleicht hilfreich Duftmarken im Stadtteil zu hinterlassen. Oder, dass Verwandte Briefmarken und Postkarten schreiben - damit das Kind weiß, mein Verhalten ist bekannt und nicht mehr isoliert.



Was steckt hinter dem systemischen Ansatz?


Fachkräfte und Eltern sind gut darin, das Fehlverhalten des Kindes aufzulisten. Dabei ist so viel Ärger und Traurigkeit entstanden bei diesem Fehlverhalten, dass das Kind selbst nicht mehr gesehen wird.

Überlegt Euch im Team oder als Eltern: welches eine Verhalten (maximal zwei) soll jetzt in den Blick genommen werden.

Dann geht es darum dieses dem Kind auch vorzutragen und zu sagen: „Wir werden alles tun, damit sich dieses Verhalten nicht mehr wiederholt.“

Anschließend wird das Kind gefragt: „Was willst Du tun, damit dieses Verhalten nicht mehr vorkommt?“

Es ist wichtig die anderen Fehlverhalten nicht gleichzeitig in den Blick nehmen. Vom systemischen Ansatz gehen wir davon aus, dass wenn das Kind ein Fehlverhalten unter die Lupe nimmt, es auch andere Bereiche achtsamer begegnet.


Wie lange dauert es, bis die neue Autorität bei Personen ankommt?


Es gibt kein Rezept, was Fachkräfte und Eltern so gerne haben würden.

Es geht besonders darum, achtsam zu sein und die empfindsamen Punkte zu kennen.

Es hängt also von der Bereitschaft ab sich auf diesen Prozess einzulassen und von der Unterstützung, die die Fachkräfte und Eltern erfahren.


 
Martina Kohrn Konflikttrainerin

Hi, ich bin Martina Kohrn - Konflikt- und Resilienztrainerin für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.


☑ Sei sicherer in Konflikt- und Krisensituationen.

☑ Gestalte ein starkes und humorvolles Miteinander im Team.

☑ Sichere Dir praxisnahes Handwerkszeug für mehr Ruhe und Gelassenheit.





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