Konflikte im Team: Warum sie bleiben
- Martina Kohrn

- vor 12 Minuten
- 6 Min. Lesezeit
Und wie das Team wirklich weiterkommt
Einleitung
Du kennst das: Du sitzt in einem Meeting, hörst aufmerksam zu. Und plötzlich ist da dieser eine Moment, in dem jemand leicht die Stirn runzelt, ein Blick zur Seite geht, und zack spürst du diese unterschwellige Spannung, die im Raum hängt. Nicht laut, nicht offen – eher wie ein leiser Widerstand, den man kaum benennt, aber den alle fühlen. Und leider bleibt er oft auch genau dort.
Das Merkwürdige an Teamkonflikten ist: Fast alle wollen sie bearbeiten. Fast niemand will sie ausblenden. Und trotzdem… drehen sich Gespräche im Kreis, Vereinbarungen wirken halbherzig, und nach zwei Wochen ist alles wieder wie vorher.
Das Ergebnis? Teams arbeiten nebeneinander her statt miteinander und Führungskräfte, Trainer*innen und Coaches stehen häufig ratlos da.
Themen im Artikel:
Warum bleiben Konflikte im Team so hartnäckig?
Teamkonflikte sind keine Monster, die plötzlich auftauchen und dann wieder weg sind. Sie sind wie Risse im Fundament eines Hauses: zunächst kaum sichtbar, dann spürbar, und bei Vernachlässigung werden sie größer.
Aber: Konflikte sind nicht per se schlecht. Sie zeigen alte Muster, unerfüllte Bedürfnisse und verdeckte Erwartungen. Und genau deshalb bleiben sie oft bestehen: weil wir sie nicht dort anfassen, wo sie wirklich liegen.
Falle 1: Du willst Konflikte sofort lösen
Ich sehe es täglich: Sobald jemand ahnt, dass ein Konflikt im Raum steht, wird moderiert, strukturiert, Lösungen gesammelt, Vereinbarungen notiert. Und am Ende? Ruhe – für den Moment. Aber sobald der Alltag wieder da ist, sind die Gespräche wie weggeblasen: dieselben Punkte, dieselben Reibungen.
Warum? Weil echte Konfliktlösung kein Pflaster ist,sie ist ein Verstehensprozess. Und wenn du nicht zuerst verstehst, was wirklich los ist, deckst du nur Symptome ab, nicht die Ursache.
Falle 2: Du siehst Verhalten – nicht Bedürfnisse
„Die blockiert immer.“„Er zieht sich zurück.“„Sie ist zu forsch.“
Klingt vertraut, oder? Wir neigen dazu, Verhalten zu bewerten – anstatt zu fragen: Was steckt dahinter? Vielleicht blockiert jemand, weil er sich nicht gehört fühlt. Vielleicht zieht sich jemand zurück, weil er Angst hat, falsch verstanden zu werden. Und diese Bedürfnisse bleiben unausgesprochen.
Solange wir nur das Verhalten sehen, nicht aber die dahinterliegenden Gefühle und Bedürfnisse, bleibt der Konflikt aktiv, aber unsichtbar. Und genau deshalb kommt er wieder.
Falle 3: Harmonie vor Klarheit
Eine super verbreitete Falle: „Hauptsache, es bleibt friedlich.“ Und klar, Harmonie klingt toll! Aber wenn wir Klarheit vermeiden, um keine Wellen zu machen, dann drücken wir Konflikte in die Ecke – und dort wachsen sie weiter im Verborgenen.
Konflikte schreien nicht immer. Manchmal flüstern sie und genau deshalb ignorieren wir sie. Aber wenn du lernst, Klarheit auszuhalten (auch wenn sie kurz unangenehm ist), gibst du dem Team Orientierung – und genau das ist der Wendepunkt.
Was hilft wirklich? Drei praxisnahe Tipps
Hier kommt der Teil, den du sofort im Team anwenden kannst.
Wenn du mehr Tipps möchtest, dann findest du hier 50 Tipps: zum Blog Artikel
Tipp 1: Erst verstehen – dann moderieren
Bevor du ein Flipchart, Tools oder Gesprächsregeln auspackst, stell Fragen. Wirklich echte Fragen.
Nicht: „Was ist das Problem?“
Sondern:
→ „Was ist gerade wirklich schwierig für dich?“
→ „Was brauchst du, damit du wieder gut mitgehen kannst?“
Diese Fragen wirken. Sie verlangsamen das Gespräch – und sie öffnen Türen zu dem, was darunter liegt: Gefühle, Bedürfnisse, ungeklärte Erwartungen.
Und ja, manchmal dauert so ein Gespräch länger als gedacht. Aber es verhindert, dass ihr in zwei Wochen wieder von vorne startet.
Tipp 2: Sprich Bedürfnisse – nicht Bewertungen
Bewertungen schüren Widerstand. Bedürfnisse schaffen Verbindung.
Statt:👉 „Ihr arbeitet nicht gut zusammen.“
Sag:💬 „Ich höre viel Frust und gleichzeitig den Wunsch nach mehr Klarheit.“
Das klingt anders und es wirkt anders. Du nimmst Spannung aus dem Raum und gibst dem Team Worte für das, was bisher unausgesprochen im Raum schwebte.
Tipp 3: Halte Klarheit aus – auch wenn es unangenehm wird
Klarheit fühlt sich manchmal unbequem an. Das ist normal. Aber genau darin liegt der Gewinn. Klarheit ist kein Angriff, sie ist Orientierung. Sie ist der Moment, in dem alle wissen: Wir haben benannt, was los ist.
Und aus dieser Orientierung heraus können Teams gemeinsam Lösungen entwickeln, die wirklich greifen, nicht nur „vorübergehend funktionieren“.
Praxisbeispiele aus echten Teams
Damit das Ganze nicht abstrakt bleibt, hier drei praxisnahe Situationen, die du wahrscheinlich kennst:
Beispiel 1: Die ruhige Spannung
In einem Teammeeting sitzt Anna still da. Kaum ein Wort. Auf Nachfrage kommt nur ein leises „Es geht schon.“ Ts, ist ja Annas Angelegenheit. Und natürlich hat auch Anna eine Verantwortung. Doch häufig geben wir uns zufrieden mit dem Gehörten und sind vielleicht sogar erleichtert, dass "nix ist"
👉 Lösung: Schon beim ersten „Es geht schon“ nach dem Was ist der Grund fragen. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit echtem Interesse.
Beispiel 2: Der „Streit um Zuständigkeiten“
Im Projekt platziert Tom immer wieder Aufgaben bei Julia und sie lehnt ab. Nach außen war es ein Streit über Zuständigkeiten. In Wirklichkeit war es ein falsch verstandener Wunsch nach Anerkennung.
👉 Lösung: Bedürfnisse aussprechen: „Tom, dein Muster zeigt mir, dass du dir mehr Rückmeldung über deine Arbeit wünschst. Julia, hast du das genauso wahrgenommen?“
Plötzlich wird aus einem Zuständigkeitsstreit ein Gespräch über Wertschätzung.
Beispiel 3: „Wir müssen das doch klären…“
Ein Team kündigt ein klärendes Gespräch an und schiebt es dreimal weiter, weil „es unangenehm sein könnte“. Das Resultat? Frust. Unausgesprochenes. Und Groll.
👉 Lösung: Den ersten Schritt zur Klarheit gehen,mit einer Einladung, die sagt:„Ich möchte verstehen, was dich bewegt. Ich möchte hören, was du brauchst.“
So wird Klarheit kein Druck, sondern ein Angebot.
Warum Konflikte keine Fehler sind
Viele sehen Konflikte als Störungen – als etwas, das „weggemacht“ werden muss. Aber in Wirklichkeit sind Konflikte Indikatoren. Sie zeigen:
✔ Wo Bedürfnisse nicht gehört wurden
✔ Welche Erwartungen unausgesprochen sind
✔ Welche Muster immer wieder greifen
Und wenn du Konflikte nicht als Feind, sondern als Botschafter verstehst, wirst du merken: Sie geben dir Hinweise, die Teams weiterbringen – wenn du da bist, um sie zu hören.
Was du morgen schon anders machen kannst
Hier sind drei Schritte, die du ab morgen sofort im Team einsetzen kannst:
Stopp – und hör richtig zu.Nicht nur hören, nachfragen.
Sprich Bedürfnisse aus.Nicht bewerten, sondern benennen.
Lade zur Klarheit ein.Klar ist nicht hart. Klar ist orientierend.
Wenn du diese drei Schritte verinnerlichst, wirst du merken: Gespräche verlieren ihre Dringlichkeit, weil echte Klärung stattfindet.
Wenn du merkst, dass es trotz allem festhängt…
Dann bist du nicht allein. Viele Teams drehen sich im Kreis. Und oft fehlt nicht die Motivation, sondern die Haltung – die Bereitschaft, hinter Positionen zu schauen und Bedürfnisse zu hören.
Deshalb biete ich ein kostenloses, unverbindliches Konfliktlösungsgespräch via Zoom an. Wir schauen gemeinsam auf deine konkrete Situation:
✔ Wo hakt es gerade?✔ Was verschärft die Situation?✔ Was wären realistische nächste Schritte – ohne Eskalation und ohne zusätzlichen Druck?
Klingt gut? Dann trau dich: Oft ist der erste Schritt genau der, der alles ändert.
👉 Hol dir deinen Termin jetzt – kostenlos und unverbindlich.
Fazit: Konflikte im Team – Chance statt Dauerstörung
Konflikte im Team sind keine Monster, die man „wegzaubern“ kann. Sie sind Botschafter. Sie zeigen, wo Klarheit fehlt, wo Bedürfnisse ungehört bleiben, wo Muster wiederkehren. Wenn du lernst, Konflikte nicht zu schnell zu lösen, sondern zu verstehen, dann hörst du, was dein Team wirklich braucht.
Und genau dort, im ehrlichen Verstehen, im klaren Benennen, im gemeinsamen Weitergehen, beginnt echte Zusammenarbeit.
Meine Angebote rund um Teamresilienz:
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Hi, ich bin Martina Kohrn -
Konflikt- und Resilienztrainerin
für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.
Hier in diesem Blog gibt es Methoden, Wissen und Impulse rund um Lösungen bei Konflikten und Stress.
Meine Angebote
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