top of page

Prävention alleine reicht nicht

Aktualisiert: 17. Jan.

Warum du auch lernen solltest, IN eskalierenden Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren

 

Vor kurzem habe ich aktuelle Zahlen der Polizei-Statistik und der Lehrergewerkschaft gelesen. Es ging um Gewaltvorfälle in Schulen und Gewaltdelikte, die Kinder und Jugendliche verüben. Diese sind in den letzten Jahren rasant angestiegen.


Die verschiedene Formen der Gewalt begegnen mir in meiner „Jugendhilfe-Blase“ sehr häufig, eigentlich täglich.

Was für mich aber deutlich wird: es braucht mehr als nur Prävention! Natürlich ist die präventive Arbeit ist wichtig. Kinder und Jugendliche in ihrem Selbstwert zu stärken. Eine Gemeinschaft beim Zusammenwachsen zu unterstützen. Darauf schauen, wie Konflikte gelöst werden und Mobbing gar nicht erst entsteht.


Doch trotz vieler Maßnahmen gibt es eskalierende Momente, Aggressionen und Gewalt. Die Statistik zeigt es deutlich.


Das erfährst du im Artikel:


Martina Kohrn Prävention und Selbstregulation


Prävention allein reicht nicht


Natürlich ist Prävention wichtig und die große Stellschraube. Dennoch wird auch das 100. Mobbingprogramm oder ein Programm zur Gewaltprävention an Schulen dieses Problem nicht so schnell und vor allen Dingen alleine lösen.

Und das sage ich - als diejenige, die auch immer wieder Sozialtrainings anbietet.

Die vielfältigen Ursachen möchte ich hier gar nicht beleuchten (das sind viele: politische, gesellschaftliche, Post-Corona Zeit, persönliche, etc.)


Sondern ich möchte dir heute drei Gründe nennen, warum es nicht alleine reicht, Präventionsprogramme auf die Beine zu stellen.


In allen Einrichtungen - in Jugendhilfe-Einrichtungen, Horts, Schulen - einfach allen Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche sind und Menschen mit ihnen arbeiten - sollten die Mitarbeitenden daring geschult werden sollten, mit eskalierenden Situationen umzugehen. 


Drei Gründe, warum auch gelernt werden soll, mit eskalierenden Momenten umzugehen:



Grund Nr. 1: Es eskaliert – trotz bester Prävention


Vor kurzem habe ich mit einer Freundin gesprochen, die an einer Schule arbeitet. Sie erzählte mir, dass sie „keinen Bock“ mehr hätte und sie vor allen Dingen nicht mehr nur damit zu tun haben wollte daran zu arbeiten, dass es in der Klasse nicht rappelt.


Typischer Fall von frustrierter Lehrerin? Vieleicht schon, denn mittlerweile hat sie sich entschieden aus dem Schuldienst auszusteigen.

Meine Idee „macht doch mehr Sozialtrainings“ und meine besten Argumente fruchteten nicht. Und es war von mir halbherzig. Ich bin totaler Fan von Sozialtrainings.

Eine andere Seite in mir sagte „ja, sie hat gerade keine Lust mehr auf den Schuldienst, aber es gibt einfach auch viele Situationen, in denen Prävention nicht mehr hilft, sondern in denen Lehrer*innen mit eskalierenden Situationen umgehen müssen“. Situationen in denen Frage „was brauchst du?“ gar kein Gehör mehr findet.


Die Zahlen sprechen für sich: Prävention ist notwendig.


Doch Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, benötigen mehr Fähigkeiten:

  • sie müssen Eskalationen erkennen und diese als eskalierende Situation wahrzunehmen

  • sie müssen selbst ruhig bleiben können und Ideen haben, wie sie auftreten und was sie sagen.

  • sie müssen in sekundenschnelle entscheiden: reagiere ich konfrontativ oder aber verständnisvoll.


Ich kann mich selbst noch an die ersten eskalierenden Situationen in der Jugendhilfe erinnern. Mein Herz pumpte, ich zitterte und war wie versteinert. So richtig konnte ich nichts tun oder sagen. Doch zum Glück lässt sich das lernen .

 

Grund Nr 2: Deeskalation hat viele Facetten

 

Vor einiger Zeit habe wurde ich in einem Seminar wieder nach der „Zauberformel“ zur Deeskalation gefragt. Leider konnte und kann ich diese nicht bieten.

Aber: du kannst dir aus vielem Wissen einen Zaubertrank mischen, der für dich passt.

Deeskalation hat nämlich viele Facetten.


Als ich in besagtem Seminar gefragt wurde, wie die Zauberformel sei, habe ich spaßeshalber mal gezählt. Auf die Schnelle fielen mir 47 mögliche Zutaten für den Zaubertrank ein, also Handlungsmöglichkeiten und Interventionen.

Da möchte ich dich in einer eskalierenden Situation mal sehen, wie du auf die Schnelle entscheidest: welcher dieser 47 Möglichkeiten nehme ich denn jetzt? Und es gibt ja noch viel mehr.

 

Diese Facetten bestehen aus verschiedenen Interventionen:

  • aus körperlichen

  • non-verbalen Interventionen

  • der eigenen Wirkung

  • der Wahrnehmung

  • der Aufmerksamkeit

  • der Emotionen


Hier gut geschult zu werden, zu wissen: was passt für mich und was nicht, ist Teil einersguten Trainings. 



Übrigens sind der "Umgang mit Aggressionen und Gewalt" Teil des Aufbaukurses der Konflikttrainer*in Ausbildung. Denn all diese Facetten kannst du auch online üben und erwerben.



Grund Nr. 3: Selbstregulation ist mehr als atmen

 

„Atmen“ – so heißt für viele eine Hauptzutat in eskalierenden Situationen. Und das mache ich auch. Und es wirkt.

Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen das "Wegatmen" nicht so einfach ist.

Selbstregulation ist mehr als die Technik „atmen“, denn Selbstregulation läuft auf vielen verschiedenen Ebenen ab.


Zur Selbstregulation gehört:


  • Die emotionale Selbstregulation. Also die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen und zu verstehen. Und diese dann auch noch auszudrücken und ggf. zu steuern.

  • Die Verhaltensselbstregulation: ein „jetzt aber mal alle hier Ruhe“ vor lauter Panik geschrieben zeigt, dass keine Verhaltensselbstregulation vorhanden ist. Denn die Fähigkeit sich selbst zu kontrollieren und impulsive Reaktionen zu vermeiden ist wichtig.

  • Die kognitive Selbstregulation. Wohin lenke ich meine Aufmerksamkeit und wie kann ich mich konzentrieren wird häufig unterschätzt.

  • Soziale Selbstregulation: die Fähigkeit in sozialen Situationen angemessen zu reagieren und auch die Fähigkeit Konflikte so zu lösen und Eskalationen zu deeskalieren.

  • Die physiologische Stressregulation: welche Technik neben dem Atmen nutzt du noch, um dich zu regulieren?

  • Motivationale Selbstregulation: was ist eigentlich mein Ziel in dieser eskalierenden Situation. Ein häufig vergessener Punkt

 

Mein Fazit: 


Gründe aus meiner Sicht, sich für eskalierende Momenten zu schulen sind daher:


  • es gibt eskalierende Momente und Fachkräfte in der Jugendhilfe, Kita etc. sollten lernen damit umzugehen

  • aus den vielen verschiedenen Möglichkeiten das richtige herauszusuchen ist ein Weg

  • Selbstregulation ist eine entscheidene Möglichkeit in der Deeskalation - aber atmen nicht das einzige


Prävention, Deeskalation und Selbstregulation gehören zu einer guten Basis im Umgang mit herausfordernden Situationen in der Kinder- und Jugendhilfe.


Durch verschiedene Ausbildungen, durch viel Erfahrung in der Jugendhilfe und durch viel Freude in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konnte ich meine Fähigkeiten erweitern und kann auch in eskalierenden Momenten reagieren und weiß, was es braucht, um ruhig zu bleiben und wie ich reagiere.


Prävention ist unerlässlich, aber sie allein kann nicht alle Herausforderungen bewältigen.

In Orten und Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche sind, sollten nicht nur Programme zur Gewaltprävention angeboten werden.


Sondern auch Schulungen zur Deeskalation für Menschen, die täglich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.


Das Ergebnis wird sein: nicht mehr Konflikte und Krisen, sondern durch einen professionelleren Umgang ein großes "Mehr" an Miteinander und Lösungen.



 
Martina Kohrn Konflikttrainerin

Hi, ich bin Martina Kohrn - Konflikt- und Resilienztrainerin für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.


☑ Sei sicherer in Konflikt- und Krisensituationen.

☑ Gestalte ein starkes und humorvolles Miteinander im Team.

☑ Sichere Dir praxisnahes Handwerkszeug für mehr Ruhe und Gelassenheit.





Hier geht es zu:


 

20 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page