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Statusspiele in Konflikten: Willst du Respekt oder Sympathie?

Aktualisiert: 27. Nov. 2023

Augenhöhe oder Machtgefälle? Ob wir es wollen oder nicht: Statusspiele finden statt.


Das, was du beeinflussen kannst, ist:

Bist du dir deines Status bewusst oder nicht?

Welchen Status nimmst du in Interaktion mit deinen Freunden, deiner Chefin oder dem Nachbar ein?

Wie sieht es aus, wenn du unter Stress stehst?


Das erfährst du im Artikel:

Was genau sind Statusspiele?

Ein Statusspiel - Beispiel aus der Schule

Erfahrung und Status

Auf Augenhöhe - alles nur Augenwischerei?

Ist Schleimen ein Status-Spiel?

Welche Rolle spielen Statusspiele in Konflikten?

Die Columbo-Technik

Martina Kohrn Statusspiele

Status in Konflikten und bei Grenzüberschreitungen


Doch warum ist es sinnvoll, sich mit dem eigenen Status zu beschäftigen?

Vor allem wenn es um Grenzsetzungen und Konflikte geht, ist es wichtig mit dem eigenen Status gut umgehen zu können und sich der eigenen Mitte bewusst zu sein.

Zum größten Teil reagieren wir auf die Art, wie etwas gesagt wird und nur zu einem viel kleineren Anteil auf den Inhalt.


Dazu habe ich mich im Pausenknüller mit Mark Bottke unterhalten.


Mark sagte im Gespräch sogar: "wenn wir uns streiten, ist es meist relativ Wurscht, was du sagst. Da sind Du- und Ich-Botschaften nicht mehr so relevant wie zum Beispiel die Körpersprache oder der Tonfall. An dieser Stelle kommen Kampfkunst und Kommunikation zusammen“.


Was genau sind Statusspiele?


Es gibt einen inneren Status und einen äußeren Status.

Der innere Status beschreibt, wie es in einer Person aussieht. Der äußere Status - im Gegensatz - ist der Status, der von außen zu sehen ist. Beide Status können hoch und tief sein.

Der große Unterscheid zwischen einem inneren Hochstatus und einem inneren Tiefstatus ist, dass ich bewusst ich meine Körpersprache einsetzen kann.

Der innere Hochstatus ermöglicht es selbst zu wählen, wie man auf die Außenwelt wirkt. In einem inneren Tiefstatus gehen Menschen in die Reaktion und andere Teile des Gehirns werden aktiviert.

Ganz generell kann man sagen, dass der innere Hochstatus dazu da ist, um jemanden etwas auf Distanz zu halten und sich abzugrenzen. Der innere Tiefstatus signalisiert Unsicherheit und macht einen kleiner.



Ein Statusspiel - Beispiel aus der Schule


Ein Elternteil weiß, dass das Kind in der Schule etwas ausgefressen hat.

Beim Gespräch mit der Lehrerin ist der innere Status tief. Wenn auch der äußere Status tief ist, könnte das Gespräch so beginnen: „Ja tut mir leid, dass das schon wieder passiert ist, wir haben ja schon versucht etwas zu ändern.“

Oder das Elternteil kann mit einem äußeren Hochstatus der Lehrerin begegnen, konfrontativ und mit einer Rechtsanwältin drohend.

Das ist auch eine Mentalitätsfrage oder aus welcher Erwartung und aus welchem Bedürfnis heraus die Person handelt.


Eine weitere Möglichkeit ist das Gespräch mit der Lehrerin in einem inneren Hochstatus anzugehen: „Nett, dass Sie mich eingeladen haben, ich weiß mit meinem Kind ist es nicht immer einfach und Sie sind ja eine tolle Lehrerin, wie können wir das Problem gemeinsam lösen?“ Das wäre dann der innere Hochstatus kombiniert mit dem äußeren Tiefstatus.

Das heißt, es wird versucht die Lehrerin in eine bestimmte Richtung zu lenken, um Sympathie bei ihr hervorzurufen.

Bei der letzten Variante, also ein innerer und äußerer Hochstatus, kommt das Elternteil rein und äußert sich in etwa so: „Jetzt sprechen wir schon zum dritten Mal, warum hat sich immer noch nichts verbessert, vielleicht müssen wir jetzt noch die Schulsozialarbeiterin hinzuziehen.“


Erfahrung und Status


Der innere Status hat viel damit zu tun, wie ich mich selbst sehe und wie wir mit uns umgehen.

Mir begegnen immer wieder junge Erzieherinnen, die Sorge haben, bei einem Elterngespräch nicht richtig ernst genommen zu werden. Was passiert da? Klar, das erste Elterngespräch fühlt sich anders an als das hundertste. Daran sieht man, dass Status auch viel mit Erfahrung zu tun hat.


Im Gespräch mit Mark hatten wir weitere Beispiele und er hat auch eines von sich genannt:

„Ich habe noch nie ein Live-Interview gegeben, das verunsichert mich, das merke ich auch körperlich und bringt mich eher in einen Tiefstatus. Jetzt spreche ich über ein Thema, in dem ich sattelfest bin. Wenn ich eine Frage bekäme, die ich nicht beantworten kann, wäre das in einem Vier-Augengespräch sicher etwas anderes, als wenn es hier live dokumentiert ist.“

Der Status wird, wie man an diesem Beispiel sieht von vielen Faktoren beeinflusst.


Auf Augenhöhe - alles nur Augenwischerei?


Können sich Menschen auf Augenhöhe begegnen und wenn ja, wie sieht das aus?

Die Geister scheiden sich da, weil es darauf ankommt, wie man Augenhöhe definiert.

Marcs Beispiel dazu: „Wenn wir uns beide nehmen. Du moderierst, das ist deine Sendung und damit sind wir nicht wirklich auf Augenhöhe. Es kann sein, dass wenn wir danach eine Runde Tischtennis spielen gehen, dass ich dann in den Hochstatus rutsche.“ ( Wahrscheinlich hätte er damit recht, denn im Tischtennis bin ich wirklich nicht im Hochstatus.)


Der eigene Status ist also situationsabhängig und kann sich verändern!

Möglicherweise begegnet sich ein gut eingespieltes Team auch auf Augenhöhe. Mark Bottke gibt mit einem Polizisten Seminare und Vorträge. „Wir schätzen uns sehr und haben unterschiedliche Kompetenzen. Wenn wir vorne stehen, dann geht es nicht darum, wer sich vordrängelt, sondern wir machen Ping-Pong und spielen uns die Bälle zu.“


Sobald das Publikum auf den Polizisten oder auf Mark Bottke positiver reagiert, dann ändert sich der Status. Im Hintergrund begegnen sie sich immer noch auf Augenhöhe.

Ein weiteres Beispiel könnte sein: Zwei Personen machen zusammen ein Referat. Einer kümmert sich um den Text, der andere um den Vortrag. Untereinander können sie sich auf Augenhöhe begegnen, auf das Publikum wirken sie anders.

Das alles kann man auch am Bild der Statuswippe verdeutlichen: wir Schwingen mit unserem Status in Beziehung zu anderen Menschen.


Ist Schleimen ein Statusspiel?


Klar! Das Einschleimen kommt meist aus einem inneren und äußeren Tiefstatus. Wenn zum Beispiel Schüler*innen anbieten die Tasche des Lehrers zu tragen. Wenn sie ganz cool sind, könnte es auch aus einem inneren Hochstatus heraus geschehen.

Mark Bottke vertritt die Meinung, dass das gezielte Einsetzen von Status immer eine Art Manipulation ist – in diesem Sinne ist auch Schleimen manipulativ. Ich gehe mit diesem Gedanken mit, denke aber auch, dass letztendlich jede Technik manipulativ eingesetzt werden könnte. Siehst du das auch so?

Wo fängt also Manipulation an, wo hört sie auf?

Oder ist alles ist Manipulation? Wenn man das Vier-Ohren-Modell noch Schulz von Thun benutzt, dann sieht man, dass jede Botschaft einen Appell hat und somit eine Intention.


Kleider machen Leute und Status


Ein sehr wichtiges Element bei Statusspielen ist die Kleidung. „Ob ich hier im Interview mit einem Anzug sitze, oder mit einem Hoody ist ein himmelweiter Unterschied!“, findet der Status-Experte. “Die Frage ist da: Was will ich erreichen? In eine Schule würde ich nicht im Anzug gehen. Um Nähe zu schaffen, würde ich da eher etwas tragen, das der Kleidung der Schüler ähnelt.“

Und so mache ich es auch - ich mache mir schon Gedanken darüber, wo ich genau doziere.


Welche Rolle spielen Statusspiele in Konflikten?


Da geht es vor allem um den Sinn eines Konfliktes. Angenommen ich gehe zu meiner Chefin und sage ihr, dass es einen Konflikt im Team gibt.

Die Chefin antwortet darauf: „Es gibt keinen Konflikt.“ Hier wird das Thema über Hierarchie und Status „gelöst“. Die Wirkung von Status ist daher ein wichtiges Thema im Konfliktmanagement und Deeskalation.


Haben größere Menschen einen höheren Status?


Bei diesem Thema gingen wir zunächst konträr, denn Mark sagte, dass Status auch etwas mit Konstitution zu tun habe. Kleine Menschen vermitteln etwas anderes als große Menschen.

Mein Gegenbeispiel aus der Jugendhilfe: ich hatte eine sehr kleine und dünne Kollegin, die mit einem inneren Hochstatus von Autorität und gleichzeitig Augenhöhe aufgetreten ist, so dass ihr nie jemand zu nahe gekommen ist.“

„Das stimmt. Wenn man sich jetzt noch vorstellt, die gleiche Frau wäre zwei Meter groß und würde mit der gleichen inneren Haltung auftreten…“, erwidert Mark Bottke.

Und gleichzeitig ist es wahr, dass vor allem der innere Status entscheidet, ob jemand Respekt bekommt oder nicht.


Die Columbo-Technik


Ohne Eigenempathie ist keine Fremdempathie möglich und je mehr ich in meiner Mitte bin, umso mehr kann ich meinen Status bewusst einsetzen.

Mark Bottke verrät eine seiner Lieblingstechniken: die Columbo-Technik.

Eine TV-Serienfigur aus den 80-er Jahren in der Rolle eines zerstreuten und verhuschten Detektives. Columbo sammelt mit dieser Fassade verdeckt Informationen und kann dann überraschend die Täter stellen.

Das heißt im Hochstatus können wir den äußeren Status wählen. Im Tiefstatus greifen Automatismen.


Andere Kulturen, Körpersprache und Status


Ein umfassendes Thema sind die interkulturellen Stolpersteine. Schauen wir da nur einmal das Thema Respekt an.

In anderen kulturellen Kontexten ist es nicht üblich, sich in die Augen zu schauen.

Wenn da keine Sprache vorhanden ist, um dieses Thema zu klären, gehen wir aus dem Gespräch, als würden die Jugendlichen einem keinen Respekt entgegenbringen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: In anderen Kulturen schaut man Respektspersonen nicht in die Augen. Um diese Missverständnisse zu vermeiden, ist es wichtig sich der Besonderheiten bei interkulturellen Statusspielen bewusst zu sein.


 
Martina Kohrn Konflikttrainerin

Hi, ich bin Martina Kohrn - Konflikt- und Resilienztrainerin für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.


☑ Sei sicherer in Konflikt- und Krisensituationen.

☑ Gestalte ein starkes und humorvolles Miteinander im Team.

☑ Sichere Dir praxisnahes Handwerkszeug für mehr Ruhe und Gelassenheit.





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