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Stärkenorientierte Führung: Warum du jeden Tag eine Frage stellen solltest

Autorenbild: Martina Kohrn
Martina Kohrn
vor 12 Minuten
5 Min. Lesezeit
Stärkenorientierte Führung: Die Vier Fragen Übung
Siehst du im Team gerade vor allem das, was nicht funktioniert?


Einleitung

Wann hast du deinem Team zuletzt gesagt, was nicht funktioniert? Und wann hast du zuletzt ganz konkret benannt, welche Stärke du bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter beobachtet hast?

Wenn dir die erste Antwort sofort einfällt, während du bei der zweiten länger überlegen musstest, bist du gerade vermutlich defizitinteressiert unterwegs, weil dein Blick sich gerade eher auf das richtet, was fehlt. Das ist kein persönliches Versagen, sondern meistens einfach eine Folge davon, dass gerade zu viel liegen bleibt.



Themen im Artikel:





Warum der Blick automatisch auf Probleme fällt


Viele Führungskräfte im sozialen Bereich löschen gerade ständig Brände, weil Ausfälle aufgefangen, Konflikte geklärt und Dienstpläne umgebaut werden müssen, kaum dass ein Problem gelöst ist. Wenn so viel liegen bleibt, richtet sich die Aufmerksamkeit fast zwangsläufig auf das, was gerade nicht läuft, denn genau da entsteht der nächste Handlungsdruck. 👉 Wie du als Führungskraft gelassener mit beruflichem Stress umgehen kannst, erfährst du hier.

Kennst du das Gefühl, nach Hause zu gehen und im Kopf durchzugehen, wer heute nicht mitgezogen hat, welches Gespräch noch aussteht oder warum eine Absprache wieder nicht eingehalten wurde? Wer nur nach Fehlern sucht, findet auch welche. Dabei übersiehst du leicht, was dein Team trotz Personalmangel und Dauerbelastung jeden Tag leistet, weil das, was einfach funktioniert, selten auffällt.

Für dein Team hat das eine Wirkung, die du selbst so vielleicht nie beabsichtigt hast. Wenn Rückmeldung fast nur kommt, sobald etwas schiefläuft, entsteht der Eindruck, dass hier nur auffällt, was nicht funktioniert. Und das ist kein guter Nährboden für Menschen, die mit Motivation Verantwortung übernehmen sollen.


In diesem Video zeige ich dir vier einfache Fragen, mit denen du die Stärken in deinem Team wieder bewusster wahrnimmst. Ohne Probleme schönzureden.

Was stärkenorientierte Führung wirklich bedeutet


Stärkenorientierung heißt nicht, Probleme schönzureden oder Konflikte unter den Teppich zu kehren, und es geht auch nicht darum, morgens im Team zu verkünden, dass ab heute positiv gedacht wird. Es geht darum, den Blick zu erweitern, sodass du nicht nur siehst, was fehlt, sondern auch, was bereits da ist und wovon dein Team mehr braucht.

Wenn etwas gut läuft, lohnt sich die Frage, welcher Beitrag genau dazu geführt hat, damit du davon bewusst mehr ermöglichen kannst.



Die Vier Fragen Übung für den Feierabend

Nimm dir am Ende des Arbeitstages eine Minute Zeit für vier Fragen, die deinen Blick Schritt für Schritt verändern.

Erste Frage: Was ist mir heute gut gelungen? Dabei zählt nicht die große Veränderung, sondern auch ein fertig geschriebener Bericht oder ein Thema, das du endlich angesprochen hast, reicht völlig.

Zweite Frage: Welche meiner Stärken habe ich dafür eingesetzt?

Dritte Frage: Wo habe ich heute eine Stärke bei einer anderen Person beobachtet, auch wenn es nur ein kleiner Moment war?

Vierte Frage: Habe ich dieser Person das auch gesagt? Und zwar konkret, nicht nur „Das hast du gut gemacht", sondern eher so, wie du es meinst: „Mir ist aufgefallen, dass du in dem schwierigen Gespräch ruhig und klar geblieben bist, sodass sich die Situation dadurch nicht weiter hochgeschaukelt hat." Aus einem Lob, das oft als leere Floskel ankommt, wird so eine Rückmeldung, bei der die andere Person genau erfährt, welche Stärke du gesehen hast und welche Wirkung sie hatte.

Worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, davon siehst du in Zukunft automatisch mehr, weil sich dein Blick mit der Zeit dahin ausrichtet, wo du hinschaust. Frag dich also nicht nur, was heute schwierig war, sondern auch, was gelungen ist und welche Stärke dazu beigetragen hat.



Stärkenorientierung ersetzt keine Konfliktklärung


Ein wichtiger Punkt gehört unbedingt dazu: Stärkenorientierung ersetzt keine Konfliktklärung. Wenn dich etwas stört, wenn eine Grenze überschritten wurde oder die Zusammenarbeit nicht funktioniert, sprich das an, denn genau darin liegt der Unterschied zur reinen Schönfärberei.

Du kannst einen Konflikt aus einer stärkenorientierten Haltung heraus ansprechen, klar und respektvoll und mit Blick darauf, was die Person kann und was wieder möglich werden soll, oder du kannst es defizitorientiert tun. Beides funktioniert grundsätzlich, doch die erste Variante wirkt deutlich motivierender, weil sie der anderen Person zeigt, dass du an ihr Können glaubst, während sie gleichzeitig weiß, woran sie ist.



Dein nächster Schritt


Wenn du oft unsicher bist, wie du schwierige Gespräche eröffnen sollst, findest du in meinem kostenlosen Spickzettel konkrete Formulierungen für verschiedene Situationen.



FAQ zur stärkenorientierten Führung

Stärkenorientierte Führung bedeutet, den Blick bewusst auch auf das zu richten, was im Team bereits gut funktioniert, statt ausschließlich auf Probleme und Fehler zu schauen. Führungskräfte benennen konkrete Stärken bei sich selbst und im Team, sodass sichtbar wird, was ohnehin schon gut läuft.

Nein. Stärkenorientierung ersetzt keine Konfliktklärung, sondern verändert nur die Haltung, aus der heraus ein Konflikt angesprochen wird. Grenzüberschreitungen oder Probleme in der Zusammenarbeit gehören weiterhin angesprochen, allerdings so, dass die Person weiß, was sie kann und was wieder möglich werden soll.

Am wirkungsvollsten ist ein täglicher Rhythmus am Ende des Arbeitstages, weil sich der veränderte Blick erst durch Wiederholung festigt. Die Übung dauert nur etwa eine Minute und funktioniert am besten, wenn sie zu einem festen Ritual wird, etwa direkt vor Feierabend oder auf dem Heimweg.

Das ist meist ein Zeichen dafür, dass der Blick gerade stark auf Defizite ausgerichtet ist, was sich mit etwas Übung wieder verändert. Es hilft, an kleine Momente aus dem Tag zu denken statt an große Leistungen, etwa einen ruhigen Umgang mit einer schwierigen Situation oder eine hilfreiche Nachfrage.

Ein allgemeines Lob wie „Gut gemacht" wird häufig als Floskel wahrgenommen, weil es keine Information darüber enthält, was genau gut war. Konkretes Lob benennt die beobachtete Situation und die dahinterliegende Stärke, sodass die Person genau erfährt, welches Verhalten wertgeschätzt wird und es gezielt wieder einsetzen kann.



Martina Kohrn Konflikttrainerin Resilienztrainerin Niedersachsen Hannover

Hi, ich bin Martina Kohrn -

Konflikt- und Resilienztrainerin


für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.


Hier in diesem Blog gibt es Methoden, Wissen und Impulse rund um Lösungen bei Konflikten und Stress.‌





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Konflikte kosten Kraft. Ja.

Aber das, was unausgesprochen bleibt, kostet oft noch mehr.

Mehr Energie. Mehr Nerven. Mehr Vertrauen.

Und besser wird es meistens nicht, nur weil alle hoffen, dass es sich von allein beruhigt.

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