Das eigentliche Problem bei Teamkonflikten sitzt oft woanders
- Martina Kohrn

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Warum der Blick nach innen bei der Lösung von Teamkonflikten der entscheidende erste Schritt ist.

Einleitung
Konflikte im Team haben fast immer dasselbe Muster: Alle warten darauf, dass die andere Seite sich bewegt. Der Kollege, die Führungskraft, das Management. Der Blick geht nach außen und genau da liegt das Problem. Wer Teamkonflikte wirklich lösen will, kommt um eine unbequeme Frage nicht herum: Was hat das eigentlich mit mir zu tun?
Im Expertengespräch mit Anke Ames, Leadership-Expertin und Seelenbegleiterin, sind wir tief in dieses Thema eingetaucht. Und was dabei herauskam, war so praxisnah wie erhellend.
Themen im Artikel:
Konfliktverhalten entsteht nicht im Büro – es kommt mit rein
Anke bringt es direkt auf den Punkt: Unser Umgang mit Konflikten ist biografisch geprägt. Wer als Kind gelernt hat, Bedürfnisse hintenanzustellen, um keine Ablehnung zu riskieren, wird das auch im Teammeeting tun. Wer eine kriegerische Kommunikation zu Hause erlebt hat, setzt sie unbewusst fort, im Projektgespräch, in der Feedbackrunde, in der Führungsbeziehung.
Das bedeutet nicht, dass wir für immer in diesen Mustern feststecken. Aber es bedeutet: Wer Teamkonflikte moderieren will, braucht zuerst Selbstreflexion.
Anke beschreibt das treffend mit dem Bild der Zwiebelschichten: Schicht für Schicht lösen sich durch bewusste Auseinandersetzung alte Reaktionsmuster. Das ist keine schnelle Lösung, aber eine nachhaltige.
Emotion vs. Gefühl: Ein Unterschied, der im Berufsleben zählt
Eines der häufigsten Missverständnisse in der Arbeit mit Teams: „Ich bin doch hier im Berufsleben – Gefühle haben hier nichts verloren."
Anke macht einen wichtigen Unterschied, den ich so in dieser Klarheit selten gehört habe:
Emotion ist unkontrolliert. Sie passiert dir – du weinst, du explodierst, du erstarrst.
Gefühle können kontrolliert geäußert werden. Ruhig, klar, mit vollem Recht.
Teamresilienz stärken heißt nicht, Gefühle aus dem Büro zu verbannen. Es heißt, den Unterschied zu kennen und Gefühle als Information zu nutzen, für sich selbst und in der Kommunikation mit anderen. Wer das beherrscht, führt stabiler, kommuniziert klarer und löst Konflikte schneller.
Die 3-Positionen-Methode: Teamkonflikte mit dem Körper lösen
Hier wird es konkret und das ist mein Lieblingsteil des Gesprächs. Anke beschreibt eine Methode, die sie in Einzel- und Gruppenarbeit einsetzt und die ohne viel Aufwand sofort anwendbar ist. Ich nenne sie die 3-Positionen-Methode.
So funktioniert sie:
Lege drei Bodenanker aus – einfach drei Zettel auf dem Boden reichen:
Position 1 – Ich: Du stellst dich auf deinen Zettel und nimmst wahr, was in dir vorgeht. Welche Emotion ist da? Wut? Erschöpfung? Ohnmacht? Erlaube dir, das wirklich zu spüren, denn diese Energie zeigt dir etwas über deine Grenze.
Position 2 – Gegenüber: Du wechselst auf den Zettel der anderen Person: Kollege, Vorgesetzte, Teammitglied. Was spürst du jetzt? Oft entsteht hier ein echter Perspektivwechsel: Plötzlich wird erfahrbar, dass der andere vielleicht unter extremem Druck steht und gar nicht in der Lage ist, deine Bedürfnisse wahrzunehmen, nicht weil er böswillig ist, sondern weil er selbst gerade überfordert ist.
Position 3 – Innerer Coach: Du trittst auf die neutrale Position. Wie ein Mediator, der von außen schaut. Was empfiehlt dir dein innerer Coach? Nicht für den anderen, das ist seine Verantwortung. Sondern: Wie gehst du jetzt damit um?
Zum Abschluss kehrst du auf Position 1 zurück. Und fast immer passiert dasselbe: Etwas hat sich gelöst. Der Grat zwischen Verständnis und klarer Grenzziehung wird sichtbarer.
Diese Methode funktioniert einzeln, aber auch in der Teamarbeit. Anke beschreibt ein Beispiel, in dem eine zerstrittene Gruppe nach einer ähnlichen Übung zur Selbstreflexion am Ende entspannt beieinanderlag, ohne dass große Worte nötig waren. Der Körper versteht, was der Kopf allein nicht löst.
Gewaltfreie Kommunikation mit Haltung, nicht als Skript
Ein weiterer Punkt, der mich in dem Gespräch sehr bewegt hat: Gewaltfreie Kommunikation ist ein wirksames Werkzeug – aber nur, wenn sie wirklich gelebt wird. Wer die vier Schritte abspult wie eine Checkliste, ohne innerlich dabei zu sein, wird scheitern.
Anke empfiehlt stattdessen, die VW-Regel zu nutzen: Vom Vorwurf zum Wunsch. Also weg von „Du machst das immer falsch" – hin zu „Was brauche ich eigentlich in dieser Situation?"
Das klingt einfach. Ist es auch. Aber es erfordert, dass du kurz innehältst und wirklich nachschaust, was gerade in dir los ist. Erst dann kannst du klar kommunizieren. Das ist der Kern von Konflikte moderieren: Nicht Techniken anwenden, sondern präsent sein.
Und die Zu-Regel von Anke gilt hier genauso: Nicht zu wenig – also nicht alles schlucken bis der Kragen platzt. Nicht zu viel – also nicht jedes Thema sofort aufmachen. Die goldene Mitte ist das Ziel.
Teamresilienz stärken: Was Führungskräfte daraus mitnehmen können
Teamkonflikte lösen ist kein einmaliges Ereignis. Es ist ein Prozess und Führungskräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wer selbst an seinen eigenen Mustern arbeitet, führt anders. Klarer. Menschlicher. Stabiler.
Anke bringt es auf den Punkt: Immer mehr Mitarbeitende machen es nicht mehr mit, schlecht geführt zu werden. Das Thema Gesehen-werden, als Mensch, nicht nur als Ressource, ist kein Soft-Skill-Wunschtraum mehr. Es ist eine Führungsaufgabe.
Konkret bedeutet das für dich als Führungskraft oder Teambegleitende Person:
Schau zuerst bei dir selbst hin, bevor du im Team intervenierst
Unterscheide zwischen unkontrollierten Emotionen und benennbaren Gefühlen
Nutze Körperübungen wie die 3-Positionen-Methode, um Perspektivwechsel wirklich erlebbar zu machen
Fördere eine Kommunikationskultur, in der Bedürfnisse geäußert werden dürfen – mit Haltung, nicht nach Schema F
Konflikte im Team? Lass uns gemeinsam hinschauen
Du merkst, dass dein Team immer wieder an denselben Punkten hängt oder du selbst weißt nicht mehr, wie du die Situation weiterbewegen sollst? Dann ist jetzt der richtige Moment, um innezuhalten und genauer hinzuschauen.
Im kostenlosen Konfliktlösungsgespräch schauen wir gemeinsam, was bei dir oder deinem Team gerade wirklich los ist, ohne Schema F, ohne Standardrezept. Wir besprechen deine konkrete Herausforderung und entwickeln gemeinsam den nächsten sinnvollen Schritt.

Hi, ich bin Martina Kohrn -
Konflikt- und Resilienztrainerin
für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.
Hier in diesem Blog gibt es Methoden, Wissen und Impulse rund um Lösungen bei Konflikten und Stress.
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