Die meisten Gründerteams scheitern nicht am Produkt – Konflikte untereinander sind der wahre Grund
- Martina Kohrn

- 9. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen

Teamkonflikte stoppen mehr Gründungen als schlechte Ideen. Lerne, wie du Konflikte im Gründerteam früh erkennst, ansprichst und gemeinsam löst.
Einleitung
Zwei Menschen, eine Vision und plötzlich kracht es. Konflikte im Gründerteam sind kein Zeichen von Scheitern, sondern ein normaler Teil jeder Zusammenarbeit. Wer versteht, warum Teamkonflikte entstehen und wie man konstruktiv damit umgeht, schützt nicht nur die Geschäftsidee, sondern auch die Beziehung oder Freundschaft.
Jenniffer Feder hat oft erlebt, was viele Gründer:innen unterschätzen: Konflikte beim Gründen, besonders wenn man zu zweit startet.
Themen im Artikel:
Warum Haltung mehr zählt als Persönlichkeit oder Erfahrung
Wenn es um den Umgang mit Konflikten geht, denken die meisten zuerst an Kommunikationstechniken oder den eigenen Charakter. Doch was wirklich den Unterschied macht, ist die Haltung, also die innere Einstellung, mit der man einer Konfliktsituation begegnet.
Haltung ist mehr als nur Einstellung. Sie zeigt sich darin, wie ich mir selbst gegenüberstehe: Welchen Wert messe ich mir bei? Traue ich mich, meine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, auch wenn das unbequem ist? Und wie möchte ich mit anderen Menschen umgehen, wenn es brenzlig wird?
Jennifer Feder, achtsame Unternehmerin und Expertin für mentale Gesundheit, bringt es auf den Punkt: Wer bei sich bleibt, hat mehr Spielraum als jemand, der sich nur auf Erfahrung oder Persönlichkeitsmerkmale verlässt. Denn über die Haltung lässt sich aktiv steuern, über Charaktereigenschaften hingegen kaum.
Ein konkretes Beispiel: Als People Pleaser neigt man dazu, Konflikte zu vermeiden, Dinge unter den Tisch zu kehren und Unstimmigkeiten nie wirklich anzusprechen. Das Ergebnis: Die Konflikte verschwinden nicht – sie gehen in den Untergrund. Unterschwellig, schwelend, bis es irgendwann eskaliert.
Genau hier setzt die Arbeit an der Haltung an: nicht erst dann reagieren, wenn das Feuer brennt – sondern frühzeitig eine innere Grundlage schaffen, die einen erlaubt, auch schwierige Gespräche zu führen.
Teamkonflikte lösen beginnt vor dem Konflikt
Eine der wirksamsten Strategien im Konfliktmanagement im Team ist die Prävention. Wer erst dann handelt, wenn es knallt, hat bereits wertvolle Zeit verloren und oft auch Vertrauen.
Viele Teamkonflikte entstehen nicht, weil Menschen böswillig sind, sondern weil grundlegende Fragen nie gestellt wurden. Unterschiedliche Erwartungen prallen aufeinander, ohne dass irgendjemand das vorher gemerkt hätte.
Ein konkreter Tipp aus der Praxis: Schreib gemeinsam einen Gründungsvertrag mit dir selbst oder mit dem Team, als eine Art feierliche Vereinssatzung, in der festgehalten ist, wer was beiträgt, was die Ziele sind und wie ihr miteinander arbeiten wollt. Dieses Dokument darf sich verändern. Aber es gibt euch einen Anker, wenn es ruckelt.
Konflikte in unterschiedlichen Teamphasen moderieren
Jedes Team durchläuft Phasen, das ist kein neues Wissen, aber es wird im Alltag erschreckend oft vergessen. Das Modell der Teamentwicklung nach Tuckman beschreibt vier Phasen: Forming, Storming, Norming, Performing.
Besonders das Storming, also die Phase, in der es laut wird, in der Konflikte auf den Tisch kommen, wird oft als Warnsignal interpretiert. Dabei ist es ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass das Team ehrlich genug ist, Dinge anzusprechen.
Wer Teamkonflikte moderiert, weiß: Nicht der Konflikt selbst ist das Problem, sondern das Vermeiden des Konflikts. Unterschwellige Spannungen kosten Teams unglaublich viel Energie. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, jede E-Mail zweimal gelesen. Wenn diese Spannung sich einmal entlädt, – ja, das ist unangenehm – kann danach echter Fokus entstehen. Auf die Arbeit und auf das gemeinsame Ziel.
Was bedeutet das in der Praxis?
Normalisiere Konflikte im Team und sprich offen darüber, dass Reibung kein Versagen ist.
Schaffe Räume, in denen Unstimmigkeiten frühzeitig benannt werden können, zum Beispiel in regelmäßigen Retrospektiven.
Hilf dem Team, nach dem Storming gemeinsam neue Regeln zu definieren. Das Norming aktiv zu gestalten, statt es dem Zufall zu überlassen.
Die Rolle von Selbstwert und Grenzen
Wer Teamresilienz stärken will, muss bei den Einzelnen ansetzen. Denn ein Team ist so resilient wie seine Mitglieder und die brauchen eine Grundlage: ein gesundes Verhältnis zu sich selbst und klare persönliche Grenzen.
Das klingt nach Selbsthilfe-Ratgeber, ist aber knallharte Teampsychologie. Menschen ohne klaren Selbstwert merken oft zu spät, wenn andere über ihre Grenzen treten. Sie sagen zu viel Ja, stecken zu viel weg, bis sie nicht mehr können.
Eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie: In Konfliktsituationen innerlich kurz innehalten und sich selbst erinnern, dass man das Recht hat, die eigene Position zu vertreten. Eine kleine innere Affirmation, zum Beispiel „Ich bin wichtig und darf das jetzt sagen" , kann reichen, um nicht sofort in den Rückzug zu gehen.
Dazu kommt: Grenzen müssen aktiv definiert werden. Wer nicht weiß, wo die eigene Grenze liegt, merkt oft erst, dass sie überschritten wurde, wenn es schon zu spät ist. Das gilt für Gründungsteams genauso wie für Bestandsteams in Unternehmen, Schulen oder sozialen Einrichtungen.
Und noch ein Aspekt, der oft übersehen wird: das persönliche Umfeld rund ums Team. Partner:innen, Familie, das persönliche Umfeld, all das beeinflusst, wie Menschen im Team agieren. Wer im Gründungsteam nicht klärt, wer was nach außen kommunizieren darf, lädt Konflikte geradezu ein. Auch das ist Teil einer resilienten Teamkultur.
Konflikte im Gründer-Team lassen sich lösen
Aber manchmal braucht es dafür einen Blick von außen. Insbesondere wenn man sehr verstrickt mit einander und dem Unternehmen ist.
Du merkst, dass zwischen euch im Gründerteam etwas unterschwellig mitschwingt, aber keiner spricht es aus. Oder ihr habt bereits einen Konflikt, der sich festgefahren hat, und du weißt nicht, wie ihr wieder in die gemeinsame Arbeit findet.
Genau in diesem Moment ist es nicht Schwäche, Unterstützung zu holen. Es ist die klügste Entscheidung, die du für euer Gründerteam treffen kannst.
Im kostenlosen Konfliktlösungsgespräch schauen wir gemeinsam auf eure konkrete Situation, ohne Fachchinesisch und dafür mit einem klaren nächsten Schritt für euch beide.
Praktische Ressourcen: Was wirklich hilft, bevor es eskaliert
Neben der inneren Arbeit helfen konkrete externe Ressourcen, um Konflikte im Team frühzeitig zu entschärfen oder gar nicht erst entstehen zu lassen:
Gründungsberatung nutzen: In vielen Bundesländern gibt es kostenfreie Angebote, über die IHK, Gründungszentren oder online Plattformen. Diese Beratungen helfen nicht nur bei Rechtsfragen, sondern auch dabei, Konfliktherde im Team frühzeitig zu erkennen.
Austausch mit anderen Unternehmer:innen suchen: Der Blick von außen verändert die eigene Perspektive. Wer regelmäßig über Herausforderungen spricht, entwickelt eine andere Haltung gegenüber Konflikten und merkt, dass er oder sie damit nicht allein ist.
Professionelle Begleitung in Anspruch nehmen: Wenn ein Team an einem Punkt angekommen ist, an dem es nicht mehr weiterkommt, ist das kein Scheitern. Es ist der richtige Moment für externe Unterstützung, durch Coaching, Mediation oder Konflikttraining.
Gegründet wird mit Mut. Durchgehalten wird mit Haltung.
Ihr habt euch getraut. Eine Idee, ein Team, ein gemeinsamer Schritt in die Selbstständigkeit. Das ist nicht selbstverständlich. Wer gemeinsam gründet, bringt nicht nur eine Idee mit, sondern zwei Biografien, zwei Haltungen und zwei Weltbilder. Das reibt sich. Das darf sich reiben.
Entscheidend ist nicht, ob Konflikte entstehen, denn das werden sie. Entscheidend ist, ob ihr vorher die Grundlage geschaffen habt, um ehrlich miteinander zu sein, wenn es darauf ankommt.
Commitment, klare Grenzen, offene Kommunikation klingt unspektakulär. Aber genau das ist es, was Gründerteams trägt, wenn die erste echte Krise kommt. Nicht die perfekte Idee. Nicht der perfekte Markt. Sondern die Fähigkeit, auch im Konflikt miteinander zu bleiben.

Hi, ich bin Martina Kohrn -
Konflikt- und Resilienztrainerin
für Fach- und Führungskräfte aus Jugendhilfe, Kita und Pflege.
Hier in diesem Blog gibt es Methoden, Wissen und Impulse rund um Lösungen bei Konflikten und Stress.
Wenn du tiefer einsteigen willst, gibt es verschiedene Wege:
1 – Du willst den Elefanten im Raum besser erkennen
Dann hol dir meinen Einstieg rund um Teamkonflikte und Teamresilienz. Wenn du oft merkst, dass etwas im Team nicht stimmt, aber noch nicht richtig greifen kannst, was da eigentlich los ist, hilft dir das, genauer hinzuschauen und vor allen Dingen: anzusprechen.
2 – Du brauchst eine Aussenperspektive
Wenn du mitten in einer konkreten Teamsituation steckst und allein nur noch im Kreis denkst, kann ein Blick von außen den Unterschied machen.Ich schaue mit dir auf die Dynamik, sortiere mit dir, was gerade wirklich los ist, und helfe dir dabei, klarer zu sehen, wo du ansetzen kannst.
3 – Eingreifen oder nicht eingreifen?
Genau das ist die Frage, die sich Trainer*innen, Coaches und Führungskräfte stellen. Ist es jetzt soweit, dass meine Unterstützung benötigt wird? Oder kriegen die das alleine hin. Mit Entscheidungsbaum, Anzeichen, an denen du Konflikte erkennst und vielen weiteren Hilfsmitteln.
4 – Du möchtest Konflikte richtig gut moderieren lernen
Wenn du Konflikte nicht länger nur irgendwie begleiten, aushalten oder beruhigen willst, sondern sie klar, sicher und professionell moderieren lernen möchtest, dann gehen wir das fundierter an, mit SOLVE - dem Konfliktlösungsprogramm.
Konflikte kosten Kraft. Ja.
Aber das, was unausgesprochen bleibt, kostet oft noch mehr.
Mehr Energie. Mehr Nerven. Mehr Vertrauen.
Und besser wird es meistens nicht, nur weil alle hoffen, dass es sich von allein beruhigt.




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